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es ist mir eine besondere Freude, Ihnen zum ersten Mal als Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO von Merck zu schreiben. Das Wichtigste vorab: Unserem Unternehmen geht es hervorragend. Merck ist in sehr guter Verfassung.

Wir sind 2016 weiter profitabel gewachsen. Unser Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 17 % und erreichte mit 15 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Das EBITDA vor Sondereinflüssen, die wichtigste Kennzahl zur Steuerung unseres operativen Geschäfts, legte im Vergleich zum Vorjahr um 23,7 % auf 4,5 Milliarden Euro zu. Nach Steuern erreichten wir im zurückliegenden Geschäftsjahr ein Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro, ein Anstieg um 45,3 %. Gleichzeitig konnten
wir unsere Nettofinanzverschuldung um über eine Milliarde Euro auf 11,5 Milliarden Euro zurückführen. Als Aktionäre profitieren Sie von dieser guten Geschäftsentwicklung. Die Merck-Aktie verzeichnete 2016 einen erfreulichen Kursgewinn. Von 89,57 Euro zum Jahresanfang stieg sie bis Ende des Jahres auf 99,15 Euro – eine Wertentwicklung von 11 Prozent, um fast 4 Prozentpunkte besser als der deutsche Leitindex DAX. Für das Geschäftsjahr 2016 schlagen wir der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 1,20 Euro vor.

Die sehr gute Entwicklung unseres Geschäfts zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg. Unsere Strategie geht auf. Das ist vor allem das Verdienst der weltweit mehr als 50.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Merck. Ihnen allen danke ich sehr herzlich für ihr großes Engagement und ihre Leidenschaft, mit der sie unser Unternehmen vorangebracht haben.

Für das Management von Merck war 2016 ein Jahr der Veränderung. Zum 30. April 2016 habe ich den Vorsitz der Geschäftsleitung übernommen. Und mit Udit Batra und Walter Galinat sind zwei neue Mitglieder in die Geschäftsleitung berufen worden. Sie verantworten die Unternehmensbereiche Life Science und Performance Materials.


Stefan Oschmann
Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO

Merck ist ein lebendiges Wissenschafts- und Technologieunternehmen. Wir forschen und produzieren in sehr unterschiedlichen Geschäftsfeldern – von der Krebstherapie über Labortechnologien bis hin zu den Flüssigkristallen in unseren Smartphones. Aber hinter all unseren Geschäftsaktivitäten steckt die gleiche Antriebskraft: wissenschaftliche Neugier. Mit großer Entdeckerfreude arbeiten wir an neuen Technologien für ein besseres Leben. Und dafür investieren wir. 2016 haben wir insgesamt 2 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben.

Unser Aufwand zahlt sich aus. In allen drei Unternehmensbereichen haben wir im vergangenen Jahr bedeutende Fortschritte erzielt.

Healthcare hat wichtige Schritte auf dem Weg zur Markteinführung neuer Medikamente gemacht. Wir haben Cladribin-Tabletten zur Behandlung schubförmiger Multipler Sklerose in Europa zur Zulassung eingereicht. Und auch in der Immunonkologie geht es voran: Avelumab, unseren Wirkstoff, den wir gemeinsam mit dem US-Unternehmen Pfizer entwickeln, haben wir in den USA und in Europa für die Behandlung des Merkelzellkarzinoms, einer seltenen und aggressiven Form des Hautkrebses, zur Zulassung eingereicht. Besonders erfreulich hat sich unser Geschäft in China entwickelt. Auf diesem vielversprechenden Markt waren wir 2016 der am schnellsten wachsende internationale Pharmahersteller.

Für Patienten entwickeln wir mehr als Medikamente. Zum Beispiel in Sachen Kinderwunsch. Weltweit sind bisher rund 2,5 Millionen „Merck-Babys“ mithilfe unserer Arzneien auf die Welt gekommen. Darauf sind wir stolz. Um mehr Paaren ihren Kinderwunsch zu erfüllen, erweitern wir unser Angebot. Denn nicht nur Medikamente, sondern auch Technologien leisten einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg in der Kinderwunschbehandlung. In Kooperation mit dem australischen Unternehmen Genea Biomedx bieten wir daher nun auch Lösungen an, die alle wichtigen Behandlungsschritte in In-vitro-Fertilisationslaboren unterstützen – für bessere Behandlungsergebnisse und noch mehr glückliche Familien.

Unser Unternehmensbereich Life Science profitierte von einer hohen Produktnachfrage der biopharmazeutischen Industrie und wuchs schneller als der Markt. Die Integration des 2015 übernommenen Unternehmens Sigma-Aldrich verläuft besser als erwartet. Statt der ursprünglich geplanten 90 Millionen Euro haben wir 2016 bereits 105 Millionen Euro jährlich wiederkehrende Kostensynergien erreicht. Außerdem erwarten wir zusätzliche, nicht eingeplante Umsatzsynergien. Unter dem Strich rechnen wir 2018 nun mit 280 Millionen statt 260 Millionen Euro jährlichen Gesamtsynergien aus der Akquisition.

Performance Materials behauptete sich als weltweiter Markt- und Technologieführer bei Flüssigkristallen – auch angesichts einer zeitweiligen Überbevorratung von LC-Bildschirmen. Gleichzeitig diversifizieren wir unser Geschäft weiter. Eine Technologie, die besonders hohes Wachstumspotenzial verspricht, sind organische Leuchtdioden, kurz OLED. Schon heute zählen sie zu unseren am schnellsten wachsenden Geschäften. Und wir stärken unsere Marktposition – zum Beispiel mit einer neuen Produktionsanlage, die wir im September in Darmstadt eröffnet haben. Künftig wollen wir einer der führenden Anbieter von OLED-Materialien weltweit sein. Darüber hinaus haben wir 2016 im Geschäft mit Halbleitermaterialien weit überdurchschnittliche Wachstumsraten erzielt.

Der technologische Wandel verändert unsere Märkte grundlegend. Neue Anbieter mit originellen Geschäftsmodellen sorgen für Furore. Für uns heißt das: Stillstand bedeutet Rückschritt. Wir wollen daher mit führenden Technologiefirmen und jungen Start-ups zusammenarbeiten. Gerade erst haben wir eine enge Partnerschaft mit Palantir vereinbart, einem führenden amerikanischen Unternehmen für komplexe Datenanalysen. Überdies bietet unser Accelerator-Programm jungen Unternehmen mit vielversprechenden Geschäftsmodellen finanzielle Unterstützung und Zugang zu unseren Experten. Außerdem beteiligen wir uns direkt an aussichtsreichen Start-ups in den Bereichen Healthcare, Life Science, Performance Materials und darüber hinaus. Dafür haben wir das Volumen von Merck Ventures, unserem Investmentfonds für derartige Beteiligungen, auf 300 Millionen Euro verdoppelt.

Aber auch in unserem bestehenden Geschäft haben wir viel vor. In Healthcare wollen wir von nun an pro Jahr ein neues Medikament oder eine neue Indikation zur Zulassung bringen. Wir hoffen, Avelumab auch gegen weitere Krebsarten einsetzen zu können. Gleichzeitig verfügen wir über weitere vielversprechende Wirkstoffe in der Onkologie, der Immunonkologie und der Immunologie, die sich derzeit in der klinischen Erprobung befinden.

In Life Science werden wir noch bis 2018 daran arbeiten, die Synergien aus der Übernahme von Sigma-Aldrich zu realisieren. Gleichzeitig soll unser Geschäft weiterhin schneller wachsen als der Markt. Dafür arbeiten wir an neuen, aussichtsreichen Angeboten. Ein Beispiel sind Instrumente und Services, die wir für die Genom-Editierung anbieten. Diese faszinierende Technologie ist heute leichter verfügbar und einfacher zu nutzen denn je. Sie ermöglicht es Forschern, zu untersuchen, inwieweit ein spezifisches Gen bzw. die Veränderung dieses Gens eine Krankheit beeinflussen kann, etwa bestimmte Formen von Krebs. Wir möchten auf diesem wachsenden und wichtigen Markt zu den führenden Technologieanbietern zählen.

Die Spezialchemikalien von Performance Materials bieten große Potenziale für die Mobilität der Zukunft. Das zeigt unsere eigens für diesen Zweck entwickelte Automobilplattform. Ob Flüssigkristalle für Displays mit freier Formgebung und für Antennen mit hoher Datenübertragungsleistung, OLEDs und LEDs für Scheinwerfer, Halbleitermaterialien für Sensoren oder funktionelle Pigmente – sicher ist schon heute: Im Auto der Zukunft wird viel Merck stecken.

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

unsere geschäftlichen Perspektiven sind gut. Unsere Strategie ist klar. Aber als international präsentes Unternehmen blicken wir mit Sorge auf politische Entwicklungen, die eine Beschränkung des Welthandels nach sich ziehen könnten. Verlässliche internationale Rahmenbedingungen und offene Märkte sind essentiell – sowohl für unser Unternehmen als auch für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung.

Gleichzeitig nimmt der technologische Fortschritt auf politische Unsicherheiten wenig Rücksicht. Er entwickelt sich rasant. Und wir möchten diese Veränderung mitgestalten. Wissenschaftliche Neugier ist dabei unser Antrieb. Denn wir wissen: Bahnbrechendes beginnt mit Neugier. Und Bahnbrechendes möchten wir auch in den kommenden Jahren erreichen. Für Patienten, für unsere Kunden und natürlich auch für Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre.

Für mich ist es eine besondere Ehre, dieses einzigartige Unternehmen zu führen. Merck ist gut aufgestellt für nachhaltiges und profitables Wachstum. Wir haben viel vor. Wir sind neugierig auf die Zukunft. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie diese Neugier mit uns teilen – und uns weiterhin als Aktionäre begleiten.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Stefan Oschmann
Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO