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Forschung und Entwicklung

Wir erforschen und entwickeln weltweit Wege und Lösungen, um die Lebensqualität von Patienten zu verbessern und die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen. Dabei sind wir stets darauf bedacht, Relevanz und Effizienz unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter zu optimieren – ob im Alleingang oder in Kooperation mit Dritten.

Rund 6.200 Mitarbeiter forschen für Merck an Innovationen, mit denen wir die langfristigen Gesundheits- und Technologietrends sowohl in den etablierten Märkten als auch in den Wachstumsmärkten bedienen können.

Merck hat im Jahr 2016 rund 2,0 Mrd. € für Forschung und Entwicklung ausgegeben, und somit mehr als im Vorjahr (2015: 1,7 Mrd.€). Dies geht vor allem auf die intensivierte Forschung und Entwicklung im Unternehmensbereich Healthcare zurück. Wir setzen dabei sowohl auf Eigenforschung als auch auf externe Kooperationen. Damit erhöht sich die Produktivität der Forschung und zugleich verringert sich der finanzielle Aufwand. Die organisatorische Aufstellung unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten folgt der Struktur von Merck mit drei Unternehmensbereichen.

Healthcare

Biopharma

Onkologie

Zu Erbitux® haben wir im April bekannt gegeben, dass die chinesische zulassungsrelevante Phase-III-Studie TAILOR ihren primären Endpunkt einer signifikant verbesserten progressionsfreien Überlebenszeit (PFS) bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) vom RAS-Wildtyp erreicht hat, die mit Erbitux® (Cetuximab) plus FOLFOX-Chemotherapie im Vergleich zu FOLFOX-Monotherapie behandelt wurden. Detaillierte Daten aus dieser ersten prospektiven Studie zur Prüfung eines Anti-EGFR-Antikörpers als Erstlinientherapie bei Patienten mit mCRC vom RAS-Wildtyp wurden auf dem Weltkongress für gastrointestinale Tumoren der European Society for Medical Oncology (ESMO) im Juli in Barcelona vorgestellt. In die Studie waren 393 Patienten aufgenommen worden. Die Ergebnisse zeigen, dass Erbitux® (Cetuximab) plus FOLFOX im Vergleich zu alleiniger FOLFOX-Therapie zu statistisch signifikanten Verbesserungen der Behandlungsergebnisse führt: Hierzu gehören die beste Gesamtansprechrate (61,1 % versus 39,5 %), ein um 31 % gesenktes Progressionsrisiko und ein um 24 % gesenktes Sterberisiko. Die kombinierte Behandlung mit Erbitux® und FOLFOX konnte gegenüber der FOLFOX-Monotherapie sowohl das progressionsfreie Überleben (9,2 versus 7,4 Monate) als auch das Gesamtüberleben (20,7 versus 17,8 Monate) signifikant verbessern. Diese Ergebnisse bekräftigen, dass Erbitux® plus FOLFOX ein wirksames Behandlungsschema für Patienten mit mCRC vom RAS-Wildtyp ist. Als erste prospektive Studie zur Auswertung von Erbitux® bei Patienten mit RAS-Wildtyp-Tumoren untermauern die TAILOR-Ergebnisse die Bedeutung der RAS-Biomarkertestung, um die geeignete, zielgerichtete Therapie für die einzelnen Patienten auf Basis des genetischen Fingerabdrucks ihres Tumors zu ermitteln. In dieser Studie zeigte Erbitux® ein beherrschbares Sicherheitsprofil, das dem anderer zulassungsrelevanter Studien entsprach. Es traten keine unerwarteten Sicherheitsbefunde auf. Basierend auf diesen Ergebnissen erörtern wir derzeit den zweckmäßigsten Weg, um Erbitux® möglichst schnell als Erstlinientherapie für Patienten mit mCRC vom RAS-Wildtyp in China zugänglich zu machen.

Im April haben wir bekannt gegeben, dass ein neuer Flüssigbiopsie-RAS-Biomarkertest, den wir gemeinsam mit Sysmex Inostics entwickeln und vermarkten, die CE-Kennzeichnung erhalten hat. Der Test wird jetzt in Europa, Asien, Lateinamerika und Australien einer breiten Patientenpopulation mit metastasiertem Kolorektalkarzinom zugänglich gemacht. Mit der zugrunde liegenden Technologie, der RAS-Assay OncoBEAM® für CRC, kann herausgefunden werden, welche Patienten einen Nutzen aus Anti-EGFR-Therapien wie Erbitux® (Cetuximab) ziehen könnten, die gegen den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) gerichtet sind. Der Flüssigbiopsie-RAS-Biomarkertest ist ein umfassendes Panel zu 34 Mutationen, basierend auf der BEAMing-(„Beads, Emulsion, Amplification, Magnetics“-)Technologie. Der Test erfordert nur eine kleine Blutprobe (10 ml) anstelle einer Gewebeprobe, um den Mutationsstatus eines Tumors zu bestimmen. Er kann potenziell innerhalb von Tagen Aussagen über den Mutationsstatus liefern und so zu schnelleren Therapieentscheidungen beitragen. Merck und Sysmex Inostics hatten ursprünglich 2014 eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung des Flüssigbiopsietests geschlossen.

Im Januar haben wir die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung mit Biocartis zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung eines neuen RAS-Biomarkertests auf Basis von Flüssigbiopsien zur Testung von Patienten mit mCRC bekannt gegeben. Der Test wird auf Basis der innovativen, voll automatisierten Molekulardiagnose-Plattform Idylla™ von Biocartis entwickelt. Dieses System soll korrekte und zuverlässige molekulare Informationen von praktisch jeder biologischen Probe aus nahezu jedem Umfeld liefern. Das Idylla™-System ist ein voll automatisiertes System für die Molekulardiagnose auf Basis der Polymerase-Kettenreaktion und deckt den gesamten Prozess von der Probe bis zum Ergebnis ab. Während die meisten der heute verfügbaren Diagnosetests nur die häufigsten RAS-Mutationen aufspüren können, wird der Idylla™-RAS-Test ein erweitertes Spektrum an RAS-Mutationen abdecken. Außerdem wird der neue Test eine direkt in den Idylla™-RAS-Test integrierte Analyse auf BRAF-V600-Mutation ermöglichen, um in der klinischen Praxis die BRAF- und RAS-Status gleichzeitig bestimmen zu können. Basierend auf einer Blutplasmaprobe von 2 ml soll mit dem Test eine hohe Sensitivität bei großem Bedienkomfort erzielt werden, da der Test weniger als 2 Minuten manuelle Bearbeitungszeit erfordert und die Ergebnisse innerhalb von circa 2 Stunden liefert. Damit können klinische Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit getroffen werden. Merck und Biocartis wollen den RAS-Flüssigbiopsietest für das Idylla™-System in zahlreichen medizinischen Zentren weltweit einführen. Ausnahmen bilden hierbei die USA, China und Japan. Der Test wurde zur CE-Zertifizierung eingereicht.

Im März haben wir den Abschluss einer Kooperation auf dem Gebiet des Tumormetabolismus mit dem in Heidelberg ansässigen European Molecular Biology Laboratory (EMBL) bekannt gegeben. Ziel ist die Untersuchung von Mechanismen, über die Krebszellen Energie und wachstumsfördernde Bausteine erzeugen, um letztendlich neuartige therapeutische Zielmoleküle und Biomarker bereitstellen zu können. Die Kooperation macht sich hierzu die Kompetenzen des EMBL im Bereich Metabolomik zunutze. Während der auf drei Jahre angelegten Kooperation wird das EMBL sein einzigartiges Knowhow einsetzen, um Modellierung und Bioinformatik mit experimentellen Ansätzen zur Untersuchung dieser Stoffwechselwege zu kombinieren und zum Verständnis der Kontrollmechanismen beizutragen. Das EMBL wird außerdem hochmoderne Ausrüstung seiner Schlüsselbetriebe für Genomik und Metabolomik einsetzen, um die Transkriptions- und Stoffwechselprofile der Studienproben aufzuklären.

Im Oktober wurden auf der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Kopenhagen neue Ergebnisse zu Erbitux® und unseren Pipeline-Kandidaten vorgestellt. Im Mittelpunkt der Präsentationen standen schwierig zu behandelnde Tumorarten. Vorgestellt wurden unter anderem Studienergebnisse zu Erbitux® bei mCRC und Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses (SCCHN). Die Ergebnisse bestätigten erneut Erbitux® als Standardbehandlung für Patienten mit mCRC vom RAS-Wildtyp und für Patienten mit SCCHN. Es wurden vorläufige Studienergebnisse zu unserem Prüfpräparat Avelumab bei Blasenkrebs vorgestellt, die seine Weiterentwicklung in dieser Indikation stützen, sowie vorläufige Ergebnisse aus einer Kombinationsstudie mit Avelumab und Axitinib bei Nierenzellkarzinom (RCC), die eine Untersuchung dieser Kombination im Rahmen einer zulassungsrelevanten Phase-III-Studie in dieser Indikation rechtfertigen. Drei Posterpräsentationen zeigten die Ergebnisse zum Prüfpräparat Tepotinib, einem hochselektiven c-Met-Kinaseinhibitor einschließlich aktueller Informationen aus dem laufenden Studienprogramm zu c-Met-positivem, mestastasiertem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom.

Im September traten wir mit unserem BTK-Inhibitor (M7583) für das Therapiegebiet Onkologie in die klinische Entwicklung ein und initiierten die erste Phase-I-Studie mit dieser Prüfsubstanz. Mit dieser Erstanwendung des Präparats in der Indikation „hämatologische Krebserkrankungen“ erreichte das Programm einen Meilenstein.

Im Juni hat Merck zusammen mit Array BioPharma Inc. und Pierre Fabre den Start einer randomisierten, globalen Phase-III-Studie zu BRAF-mutiertem mCRC bekannt gegeben, in der eine neue Kombination aus Erbitux® plus Encorafenib mit oder ohne Binimetinib untersucht werden soll. Die Studie BEACON CRC (Binimetinib, Encorafenib And Cetuximab Combined to treat BRAF-mutant Colorectal Cancer) wird die Wirksamkeit und Sicherheit dieser zwei neuartigen Kombinationsschemata bei Patienten mit BRAF-mutierten Tumoren im Vergleich zu einem Regime nach Wahl des Prüfarztes – entweder Erbitux® plus Irinotecan oder Erbitux® plus FOLFIRI – bewerten. Rund 650 Patienten sollen bis 2018 in die Studie aufgenommen werden. Nach einer Einführungsphase zur Bewertung der Sicherheit und Verträglichkeit von Erbitux® plus Encorafenib (BRAF-Inhibitor) und Binimetinib (MEK-Inhibitor) erhalten die Studienteilnehmer randomisiert eine dieser zwei neuartigen Kombinationen oder ein Schema nach Wahl des Prüfarztes. Primärer Endpunkt der Studie ist das Gesamtüberleben (OS). Zu den wichtigsten sekundären Endpunkten zählen progressionsfreies Überleben, objektive Ansprechrate, Ansprechdauer, Sicherheit und Verträglichkeit. Die Studie schließt auch eine Bewertung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ein.

Am 9. Oktober wurden im Rahmen des ESMO-Kongresses die Förderstipendien aus unserer „Grant for Oncology Innovation“-(GOI-)Initiative vergeben, mit der wir wegweisende unabhängige Forschung im Bereich Onkologie fördern. Für die diesjährige Vergabe waren 405 Projektvorschläge aus 49 Ländern eingegangen. Es wurden drei Forscherteams aus Italien, Neuseeland und Spanien ausgewählt. Sie teilen sich Fördergelder in Gesamthöhe von 1 Mio. € für ihre Forschungsprojekte zu Brust-, Darm- und Lungenkrebs.

Immunonkologie

Das Prüfpräparat Avelumab ist unser am weitesten fortgeschrittenes klinisches Entwicklungsprogramm in der Immunonkologie. Im Rahmen der Allianz von Merck und Pfizer werden acht Phase-III-Studien zu verschiedenen soliden Tumoren durchgeführt.

Am 31. Oktober haben Merck und Pfizer mitgeteilt, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Zulassungsantrag von Merck für Avelumab in der vorgesehenen Indikation metastasiertes Merkelzellkarzinom (MCC) für die behördliche Prüfung anerkannt hat. Beim MCC handelt es sich um einen seltenen, aber aggressiven Typ von Hautkrebs mit einer jährlichen Neuerkrankungsrate von circa 2.500 Betroffenen in Europa. Mit der Validierung bestätigt die Behörde, dass der Zulassungsantrag vollständig ist und das formale zentralisierte Prüfverfahren durch die EMA begonnen hat. Im Fall der Zulassung wäre der gegen den PD-L1 gerichtete, in der klinischen Prüfung befindliche monoklonale IgG1-Antikörper Avelumab das erste in der EU zugelassene Therapeutikum für das metastasierte MCC. Mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von unter 20 % ist die Prognose für Patienten mit metastasiertem MCC sehr schlecht. Avelumab wurde in der Indikation MCC von der Europäischen Kommission als „Orphan Drug“, also als Arzneimittel zur Behandlung seltener Erkrankungen, eingestuft. Der Zulassungsantrag für Avelumab in der Indikation metastasiertes MCC wird von den Daten der Studie JAVELIN Merkel 200 gestützt. Hierbei handelt es sich um eine multizentrische, einarmige, offene Phase-II-Studie mit 88 Patienten mit metastasiertem MCC, deren Erkrankung nach mindestens einer vorausgegangenen Chemotherapie fortgeschritten war. Bei JAVELIN Merkel 200 handelt es sich um den umfangreichsten Datensatz zu einem Anti-PD-L1 oder Anti-PD-1, der jemals in einer solchen Patientenpopulation berichtet wurde. Diese Studiendaten wurden jüngst in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlicht.

Im November haben Merck und Pfizer bekannt gegeben, dass die amerikanische Zulassungsbehörde FDA den Antrag auf Zulassung des Biologikums Avelumab in der Indikation metastasiertes MCC zur Prioritätsprüfung angenommen hat. Der Antrag war von EMD Serono, dem biopharmazeutischen Geschäft von Merck in den USA und Kanada, eingereicht worden. Die Prüfung bezieht sich auf die vorgesehene Anwendung von Avelumab bei Patienten mit metastasiertem MCC, basierend auf den Ergebnissen zum Tumoransprechen aus der Studie JAVELIN Merkel 200. Der von der FDA erteilte Status der Prioritätsprüfung verkürzt die Prüfzeit von zehn Monaten auf anvisierte sechs Monate ab dem Tag der Einreichung und wird für Arzneimittel gewährt, die große Behandlungsvorteile bieten oder als Behandlung für Erkrankungen ohne geeignete Therapieoptionen dienen könnten. Die FDA hatte zuvor den „Orphan Drug“-Status für Avelumab in der Indikation MCC sowie den „Fast Track“- und den „Breakthrough Therapy“-Status für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem MCC erteilt, deren Erkrankung nach mindestens einer vorausgegangenen Chemotherapie fortgeschritten war. Die Vergabe des „Breakthrough Therapy“-Status soll die Entwicklung und Prüfung von Therapeutika für die Behandlung schwerwiegender oder lebensbedrohlicher Erkrankungen beschleunigen, bei denen vorläufige klinische Nachweise darauf hindeuten, dass das Arzneimittel eine erhebliche Verbesserung gegenüber vorhandenen Therapien bei einem oder mehreren Endpunkten darstellen könnte.

Mit ihrer Präsenz auf der Jahrestagung 2016 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) zeigten Merck und Pfizer den großen Fortschritt, den sie mit ihrer Zusammenarbeit bei der Beschleunigung des umfassenden internationalen Entwicklungsprogramms JAVELIN für ihr Prüfpräparat Avelumab bereits erreicht haben. Das Programm umfasst 30 laufende klinische Studien zur Prüfung von Avelumab als Mono- oder Kombinationstherapie mit circa 4.000 Patienten in über 15 Tumorindikationen, darunter auch neun zulassungsrelevante Studien. Die auf der ASCO 2016 vorgestellten Daten tragen zum wachsenden Verständnis hinsichtlich der potenziellen Rolle von Avelumab bei der Behandlung eines breiten Spektrums an Krebserkrankungen bei. Insgesamt wurden 14 Abstracts zu Avelumab (zwei Vorträge und 12 Poster / Posterdiskussionen) bei sieben unterschiedlichen Tumorindikationen vorgestellt.

Einer der Vorträge befasste sich mit den Ergebnissen von JAVELIN Merkel 200 bei metastasiertem MCC. Die Studie belegte eine objektive Ansprechrate von 31,8 %. Es kam zu 8 Vollremissionen und 20 Teilremissionen. Das Tumoransprechen setzte schnell ein: 78,6 % der Patienten (22 von 28) reagierten innerhalb von sieben Wochen nach Behandlungsbeginn. Das Ansprechen hielt überdies an. 82,1 % der Patienten (23 von 28) sprachen zum Zeitpunkt der Auswertung immer noch an. Ein Tumoransprechen wurde bei den Patienten unabhängig von ihrem Status bestimmter Biomarker (PD-L1 und Merkelzell-Polyomavirus) beobachtet. Es wurden keine unerwarteten Sicherheitshinweise berichtet. Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse (UE) traten bei 62 Patienten (70,5 %) auf. Zu den häufigsten Ereignissen zählten Müdigkeit (23,9 %) und Infusionsreaktionen (17,0 %), die alle vom Schweregrad 1 oder 2 waren. Bei vier Patienten (4,5 %) wurden behandlungsbedingte UEs vom Schweregrad 3 berichtet.

Zu den weiteren Highlights des klinischen Entwicklungsprogramms zu Avelumab, die auf der ASCO berichtet wurden, gehörte die Vorstellung von Daten zu den Indikationen adrenokortikales Karzinom, Karzinom des Magen / gastroösophagealen Übergangs, Mesotheliom, nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, Ovarial- sowie Urothelialkarzinom (Blasenkrebs). Außerdem wurden Sicherheitsdaten von 1.300 Patienten aus der Phase-Ib-Studie JAVELIN Solid Tumor, der größten Phase-I-Studie zu einer Anti-PD-L1-Therapie, vorgestellt.

Im April haben Merck und Pfizer den Start einer Phase-III-Studie zu Avelumab in der Indikation fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom (RCC) bekannt gegeben. Die Studie JAVELIN Renal 101 ist eine multizentrische, internationale, randomisierte, offene Phase-III-Studie zur Bewertung der potenziellen Überlegenheit der Erstlinien-Kombinationstherapie aus Avelumab und INLYTA® (Axitinib) im Vergleich zur Monotherapie mit SUTENT (Sunitinibmalat). Bewertet wird dazu das progressionsfreie Überleben der teilnehmenden Patienten mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem RCC mit Klarzellkomponente. Es ist die erste zulassungsrelevante Studie, die Avelumab in Kombination mit INLYTA® (Axitinib), einem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI), bei Patienten mit zuvor unbehandeltem fortgeschrittenem RCC untersucht. Es ist außerdem die einzige Phase-III-Studie, die derzeit eine Anti-PD-L1-Immuntherapie in Kombination mit einem TKI der vaskulären endothelialen Wachstumsfaktorrezeptoren (VEGF) in einer derartigen Patientenpopulation prüft.

Im Juli starteten wir eine neue Phase-III-Studie zu Avelumab als Erstlinientherapie bei Ovarialkarzinom. JAVELIN Ovarian 100, ist eine offene, internationale, multizentrische, randomisierte Studie bei zuvor unbehandelten Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Ovarialkarzinom (Stadium III oder IV). Es ist die erste Phase-III-Studie, die den Zusatz eines Immuncheckpoint-Inhibitors zur Standard-Erstlinienbehandlung bei diesem aggressiven Tumortyp untersucht. Insgesamt sollen ungefähr 950 Patientinnen in die Studie aufgenommen und gleichzeitig mit Avelumab und Chemotherapie behandelt werden, beziehungsweise mit Avelumab in Anschluss an die Chemotherapie oder mit Chemotherapie allein.

Im Januar schlossen Merck und Pfizer eine Kooperationsvereinbarung mit Syndax Pharmaceuticals zur Untersuchung von Avelumab in Kombination mit Entinostat von Syndax bei Patientinnen mit stark vorbehandeltem, rezidivierendem Ovarialkarzinom. Bei dem oralen Prüfpräparat Entinostat handelt es sich um ein sogenanntes Small Molecule, das gegen immunregulatorische Zellen (myeloide Suppressorzellen und regulatorische T-Zellen) gerichtet ist. Syndax wird für die Durchführung der klinischen Phase-Ib / II-Studie verantwortlich sein.

Im März haben Merck, Pfizer und Verastem den Abschluss einer Vereinbarung zur Untersuchung von Avelumab in Kombination mit VS-6063 von Verastem, einem ebenfalls in Prüfung befindlichen Inhibitor der fokalen Adhäsionskinase (FAK), im Rahmen einer Phase-I / Ib-Studie bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom bekannt gegeben.

Anfang 2017 haben wir den Abschluss einer auf drei Jahre angelegten strategischen Kooperation mit dem MD Anderson Cancer Center der University of Texas in Houston (USA) bekannt gegeben. Das Ziel ist die schnellere Entwicklung von Prüfsubstanzen für Krebstherapien bei den vier Tumorarten Brust- und Darmkrebs sowie Glioblastom und Leukämie durch die Untersuchung von Biomarkern für Ansprechen und Therapieresistenzen. Merck erhält damit als erstes Unternehmen überhaupt Zugang zur Forschungsplattform APOLLO (Adaptive Patient-Oriented Longitudinal Learning and Optimization) des MD Anderson Cancer Centers. Mit ihr erfolgt eine standardisierte Langzeiterfassung von Daten zur Krankengeschichte von Patienten und von Gewebeproben, die dem besseren Verständnis der Tumorbiologie dienen und die Bereitstellung von forschungsbasierten Therapien für Patienten beschleunigen sollen.

Im Januar 2017 haben wir außerdem mit Vertex Pharmaceuticals Inc. aus Boston (USA) eine Lizenzvereinbarung über die weltweite Entwicklung und Vermarktung von vier vielversprechenden Forschungs- und Entwicklungsprogrammen mit neuartigen Ansätzen bei der Krebstherapie getroffen. Im Rahmen der Vereinbarung lizenzieren wir zwei klinische Programme zum Therapieansatz der DNA-Schädigung und -Reparatur sowie zwei weitere neuartige präklinische Forschungsprogramme ein und werden die volle Verantwortung für die Entwicklung und Vermarktung aller Programme übernehmen.

Neurologie

Die EMA hat unseren Antrag auf Marktzulassung für das Prüfpräparat Cladribin-Tabletten zur Behandlung von schubförmiger Multipler Sklerose (MS) zur Prüfung angenommen. Der neue Zulassungsantrag umfasst Daten aus den drei Phase-III-Studien CLARITY, CLARITY EXTENSION und ORACLE-MS sowie aus der Phase II-Studie ONWARD. In diesen Studien erzielten Cladribin-Tabletten bei Patienten mit schubförmiger MS eine signifikante Reduzierung bei der Rückfallrate, dem Risiko für Behinderungsprogression sowie der Entwicklung neuer im Kernspin sichtbarer MS-Läsionen gegenüber Placebo. Zusammen mit den Interimsdaten der Langzeitnachbeobachtung aus dem prospektiven Register PREMIERE schließt der neue Antrag auch die Follow-up-Daten aus insgesamt über 10.000 Patientenjahren mit Medikamentenexposition ein, wobei einige Patienten über mehr als acht Jahre nachbeobachtet wurden.

Auf der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Kopenhagen im Mai 2016 wurden neue Daten und Analysen aus klinischen Studien mit Cladribin-Tabletten vorgestellt. Die Therapieergebnisse von Patienten mit einer Form von schubförmiger MS aus den Studien CLARITY, ORACLE-MS und ONWARD wurden präsentiert. Die Ergebnisse der erneuten Auswertung der Daten von ORACLE-MS bei klinisch-isoliertem Syndrom (CIS) wurden von den Organisatoren für die Vorstellung im Rahmen der Highlights-Session ausgewählt. In diesem Format werden die interessantesten Daten des gesamten Kongresses präsentiert. Diese Analyse belegte die Wirksamkeit von Cladribin-Tabletten bei Patienten, deren Erkrankung gemäß den neuesten Krankheitsdefinitionen jetzt als MS im Frühstadium klassifiziert werden würde, sowie ein Nebenwirkungsprofil analog den vorherigen Erfahrungen. Weitere Daten, die zur Untersuchung von Hirnatrophie im Zusammenhang mit der Behandlung mit Cladribin-Tabletten im Vergleich zu Placebo vorgestellt wurden, stammten aus der CLARITY-Studie. Aus der ONWARD-Studie wurden endgültige Ergebnisse zur Sicherheit und Verträglichkeit berichtet.

Im September haben wir in zwei Vorträgen auf dem 32. ECTRIMS-Kongress (European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis) in London klinische Daten zu unserem Prüfpräparat Cladribin-Tabletten vorgestellt. Die Ergebnisse der CLARITY-Studie und der Erweiterungsstudie CLARITY EXTENSION sowie der offenen Erhaltungsphase der ORACLE-MS-Studie belegten die Langzeitwirksamkeit von Cladribin-Tabletten bei MS-Patienten sowie ein akzeptables Sicherheitsprofil. Die Studien bestätigten, dass eine orale Einnahme an 20 Tagen innerhalb von zwei Jahren wirksam die Schubrate reduzierte und die Krankheitsprogression verlangsamte, wobei der Effekt bis zu vier Jahre anhielt. In dem zweiten Vortrag wurden Daten aus der offenen Erhaltungsphase der Phase-III-Studie ORACLE-MS veröffentlicht. Die Studie ORACLE-MS belegte, dass die Behandlung mit dem Prüfpräparat Cladribin-Tabletten bei Patienten mit einem ersten demyelinisierenden Ereignis das Risiko der Progression zu klinisch gesicherter MS im Vergleich zu Placebo signifikant reduzierte. Für die offene Phase der Studie wurden Patienten, die während der ersten Behandlungsphase eine klinisch gesicherte MS entwickelt hatten, auf Behandlung mit Rebif® umgestellt. Die auf der ECTRIMS vorgestellten neuen Daten belegen, dass Patienten, die in der ersten Behandlungsphase Cladribin-Tabletten erhalten hatten, im Vergleich zur Placebogruppe über die Dauer der Erhaltungsphase eine niedrigere jährliche Schubrate aufwiesen.

Anlässlich des diesjährigen ECTRIMS-Kongresses gaben wir die Preisträger der zum vierten Mal vergebenen „Grants for Multiple Sclerosis Innovation“ (GMSI) bekannt. In diesem Jahr wurden 260 Projektvorschläge aus 45 Ländern eingereicht, die in der ganzen Welt laufende innovative Forschungsprojekte repräsentieren. Die Wahl fiel auf vier internationale Forscherteams aus Deutschland, Großbritannien, Israel, Kanada, Katar und Spanien, die sich die Fördersumme von insgesamt 1 Mio. € zur Unterstützung ihrer Forschung teilen. Das GMSI-Förderprogramm wurde im Oktober 2012 ins Leben gerufen, um bessere Erkenntnisse über MS zu erlangen, die letztendlich den betroffenen Menschen zugutekommen sollen.

Zu Rebif® wurden Ergebnisse von zwei nicht interventionellen Studien (REBIFLECT und REBISTART) vorgestellt, die die positiven Effekte belegen, die durch die Verwendung des Injektionsgeräts RebiSmartTM und die Unterstützung durch eine Krankenschwester auf die Therapietreue erzielt werden. Die Therapietreue stellt bei Patienten, die wegen einer chronischen Erkrankung dauerhaft behandelt werden, ein Hauptanliegen dar. Außerdem wurde eine retrospektive Analyse einer Krankenversicherungsdatenbank vorgestellt, in der die Gründe für einen Therapieabbruch über die Zeit ausgewertet wurden.

Im Rahmen unserer Priorisierung von Portfolioprojekten haben wir die Rechte an unserem MS-Projekt ATX-MS-1467 der Phase II an Apitope zurückgegeben, um uns auf andere laufende Projekte in den Therapiegebieten Neurologie und Immunologie konzentrieren zu können.

Immunologie

Im August erhielt der erste Patient in einer klinischen Studie der Phase IIa unsere intern entwickelte Prüfsubstanz M2951, einen BTK-Inhibitor. Die Studie untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von M2951 bei Teilnehmern mit rheumatoider Arthritis unter laufender, eingestellter Methotrexattherapie. Im Dezember wurde eine Phase-II-Studie mit derselben Substanz in der Indikation systemischer Lupus erythematodes (SLE) gestartet.

Im November gaben wir die Ergebnisse der Phase-IIb-Studie ADDRESS II, einer multizentrischen Studie zu Atacicept bei Patienten mit SLE bekannt, die auf der gemeinsamen Jahrestagung 2016 des American College of Rheumatology und der Association of Rheumatology Health Professionals in Washington DC (USA) vorgestellt wurden. Patienten mit Standardversorgung (n = 306) wurden randomisiert einer wöchentlichen subkutanen Injektion von entweder Atacicept (75 oder 150 mg) oder Placebo über 24 Wochen zugeteilt. Primärer Endpunkt war der Anteil Patienten, die ein klinisches Ansprechen, definiert als zusammengesetzter SLE-Responder-Index-(SRI-)4 in Woche 24, erreichten. Die sekundären Endpunkte umfassten SRI-6-Ansprechraten und die Zeit bis zu einem schweren Schub gemäß SLEDAI-Flare-Index (SFI) oder BILAG. Obschon der primäre Endpunkt in der gesamten Studienpopulation nicht erreicht wurde, zeichnete sich ein Trend zugunsten von Atacicept ab, da eine statistische Signifikanz in einer vorher festgelegten Sensitivitätsanalyse des primären Endpunkts unter Verwendung von Behandlungstag 1 als Baseline-Wert (anstatt der Screening-Visite) erreicht wurde: Atacicept 75 mg (55,9 %, adjustiertes Odds Ratio (OR) 1,88, p = 0,029) und 150 mg (55,8 %, adjustiertes OR 1,96, p = 0,020) im Vergleich zu Placebo (41,0 %). Unter Atacicept in der 75-mg-Dosis traten im Vergleich zu Placebo signifikant weniger BILAG-A-Schübe auf (p = 0,019) und schwere SFI-Schübe waren unter der 150-mg-Dosis verringert (p = 0,002). Zudem belegten Auswertungen einer vorher festgelegten Subpopulation mit Patienten mit hoher Krankheitsaktivität statistisch signifikante Behandlungseffekte von Atacicept gegenüber Placebo. Das SRI-6-Ansprechen in Woche 24 war unter Atacicept 150 mg signifikant höher als unter Placebo. Beide Atacicept-Dosen führten zu einer signifikant verringerten Inzidenz schwerer Schübe (BILAG-A- und SFI-Schübe) im Vergleich zu Placebo. Die Gabe von Atacicept ging im Lauf der Zeit auch mit einer Erhöhung von Serumkomplement C3 und C4 sowie einer Erniedrigung von IgG, IgM, IgA und Anti-dsDNA-Antikörpern einher. Die Inzidenz von therapieassoziierten unerwünschten Ereignissen war unter Atacicept (150 mg: 80,8 %, 75 mg: 81,4 %) geringfügig höher als unter Placebo (71,0 %), allerdings war das Risiko schwerwiegender unerwünschter Ereignisse oder schwerwiegender / schwerer Infektionen unter Atacicept im Vergleich zu Placebo nicht erhöht und es gab keine Todesfälle. Die Sicherheitsergebnisse waren in der Untergruppe mit hoher Krankheitsaktivität vergleichbar.

Fertilität

Im Juli haben wir bekannt gegeben, die medizinische Forschung im Bereich Fertilität auch weiterhin in Form unseres „Grant for Fertility Innovation“-(GFI-)Programms mit Fördergeldern von insgesamt 1,5 Mio. € für 2016 / 2017 unterstützen zu wollen. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen der 32. Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) in Helsinki. Mit dem 2009 eingeführten GFI-Förderprogramm sollen innovative translationale Forschungsprojekte im Bereich Fertilität zu konkreten Gesundheitslösungen weiterentwickelt werden, um die Erfolgsrate der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) zu verbessern. Dieses Jahr wurden sechs Gewinnerprojekte aus China, Hongkong, Irland, Italien (2 Teams) und den USA unter den 112 aus aller Welt eingegangen Anträgen ausgewählt, die alle das Ziel verfolgen, die Chancen auf ein eigenes Kind für Paare zu erhöhen.

Im Oktober haben wir mit Gavi™ zur Konservierung von Eizellen und dem Nährmedium Geri™ zwei innovative Fertilitätstechnologien auf den Markt gebracht. Beide Produkte tragen zur Verbesserung wichtiger Behandlungsschritte bei der assistierten Reproduktion (ART) bei, wo Labortechnologien für den Behandlungserfolg ausschlaggebend sind.

Die Neueinführungen sind bereits die 7. und 8. Markteinführung innerhalb von 18 Monaten durch die Einheit Fertility Technologies von Merck und veranschaulichen die Healthcare-Strategie des Unternehmens, mit Best-in-Class-Produkten Innovationen bereitzustellen. Mit Gavi™ können in Kinderwunschkliniken menschliche Eizellen und Embryonen in allen wichtigen ART-Stadien konserviert werden, während das Nährmedium Geri™ eine ungestörte Kultivierung von Embryonen ermöglicht. Die Konservierung von Eizellen oder Embryonen für künftige In-vitro-Fertilisationsbehandlungen und Embryotransfers durch Abkühlung auf tiefe Minusgrade ist ein entscheidender Schritt im Labor. Gavi™ ist das erste automatisierte Gerät weltweit für diese als Vitrifikation bezeichnete Konservierungstechnologie. Mit dieser neuesten Produktinnovation ermöglicht Gavi™ zusätzliche Flexibilität für die Ärzte, wenn sie wichtige Behandlungsentscheidungen mit und für ihre Patienten treffen. Das Nährmedium Geri™ wurde entwickelt, um einen weiteren wichtigen Faktor für die erfolgreiche Behandlung zu verbessern: die Kultivierung von Embryonen. Nach der Befruchtung muss der Embryo wachsen und sich weiterentwickeln, bevor er in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt werden kann. Mit dem einstufigen Kulturmedium unterstützt Merck jetzt die ungestörte Inkubation und optimale Embryoentwicklung. Beide Produkte werden im Rahmen einer Partnerschaft zwischen Merck und dem australischen Unternehmen Genea Biomedx vermarktet.

Mitte November haben wir die Einführung von zwei neuen, innovativen Fertilitätstechnologien, Gidget™ und Geri™+, bekannt gegeben, mit denen wir unser innovatives Portfolio erweitern, um alle Schritte zu unterstützen, die in IVF-(In-vitro-Fertilisation-)Laboren im Rahmen der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) durchgeführt werden. Hierbei leisten Technologien einen entscheidenden Beitrag zum Behandlungserfolg. Gidget™ ist als benutzerfreundliches Dokumentations- und Trackingsystem konzipiert. Es soll das Risiko von Fehlern reduzieren und die Arbeitsabläufe im Labor verbessern. Geri™+ ermöglicht die Verknüpfung des Embryoneninkubators Geri™ mit dem innovativen Eeva®-Algorithmus. Beide neuen Produkte untermauern die Healthcare-Strategie von Merck, Patienten Innovationen in Form von Best-in-Class-Produkten zur Verfügung zu stellen. Gidget™ und Geri™+ stammen aus dem Entwicklungszentrum ARTinnovations, das wir zusammen mit Genea Biomedx gegründet haben. ARTinnovations dient als Inkubator für Ideen und Innovationen für den Bereich der Fertilitätsbehandlung und -technologie. In ihm ergänzen sich Engagement und Knowhow beider Partner mit dem Ziel, Ideen für langfristig bessere Behandlungsergebnisse für die Patienten in Produkte umzusetzen.

Durch die Integration von Hell- und Dunkelfeldmikroskopie lässt sich der Geri™+-Inkubator nun in Kombination mit der Eeva®-Software und jeder Version von Geri Assess einsetzen. Geri™+ wird damit zu einem multifunktionalen Inkubator, der Embryologen eine Vielfalt von Möglichkeiten rund um die Embryonenanalyse eröffnet. Er vereint die Vorteile der störungsfreien Inkubation mit den hohen Kontroll- und Sicherheitsstandards des Geri™-Inkubators und den Auswertemöglichkeiten der Eeva®-Software. Dabei handelt es sich um den ersten automatisierten Algorithmus, für den eine bessere Beurteilung der Embryonenentwicklung klinisch belegt wurde.

Gidget™ ist ein tragbares Gerät für das IVF-Labor, mit dem sich Embryologen ganz auf ihre wissenschaftliche Arbeit konzentrieren können, da das Risiko einer Fehlzuordnung ausgeschlossen wird. Es bietet besondere Tracking- und Workflow-Funktionalitäten wie elektronische Dokumentation, Verwaltung der Arbeitsabläufe im Labor und Unterstützung bei Rückverfolgbarkeit sowie die Berichterstattung im Rahmen von Audits.

General Medicine & Endokrinologie

Mitte Oktober haben wir bekannt gegeben, dass der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA die Zulassungserweiterung für alle Metformin-haltigen Produkte – einschließlich des Glucophage®-Produktportfolios und des Präparats Glucovance® – positiv beurteilt und für die Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes empfohlen hat. Mit der Indikationserweiterung entfällt die bisherige Kontraindikation der chronischen Nierenerkrankung (CKD) vom Stadium 3. Für Metformin wird eine maximale Tagesdosis von 2.000 mg/Tag bei CKD vom Stadium 3a (GFR = 45 – 59 ml/min) und 1.000 mg/Tag bei Stadium 3b (GFR = 30 – 44 ml/min) gelten. Damit kann eine weitere große Gruppe von Typ-2-Diabetikern mit eingeschränkter Nierenfunktion von der Behandlung profitieren. Eine jüngste Auswertung der britischen Datenbank CPRD von Krankenakten ergab, dass bei 32,7 % aller Diabetiker eine CKD vom Stadium 3 vorlag.

Die Routineauswertung der Sicherheitsdaten zu allen Metforminpräparaten ergab, dass Patienten mit moderater Niereninsuffizienz gemäß der wissenschaftlichen Evidenz und den klinischen Richtlinien von einer Behandlung mit Metformin profitieren könnten und die Kontraindikation dementsprechend nicht länger gerechtfertigt sei. Auf Basis dieser Evidenzlage initiierte die EMA ein Ausschussverfahren gemäß Artikel 31 und forderte eine kumulative Prüfung von Nutzen und Risiko bei dieser Patientengruppe unter Einschluss aller Unternehmen, die Metformin in der EU vertreiben. Als Ursprungshersteller von Metformin kommt Merck auf rund 60 Jahre Markterfahrung und konnte die Anfrage der EMA mit einer umfassenden Analyse aller verfügbaren klinischen Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten zu Metformin bei Patienten mit CKD-Stadium 3 unterstützen. Dieser wurde eine kumulative Analyse aller bei Merck eingegangenen Fallberichte von Laktatazidose als sehr seltenem Risiko der Metforminakkumulation aufgrund akuter oder schwerer Niereninsuffizienz gegenübergestellt. Die EMA prüfte die von allen Unternehmen eingereichten Daten, woraus die positive Stellungnahme des CHMP und Aufhebung der Kontraindikation Niereninsuffizienz vom CKD-Stadium 3 bei der Behandlung von Typ-2-Diabetikern resultierte.

Im September gaben wir die Empfänger des Förderpreises „Grant for Growth Innovation“ (GGI) für 2016 bekannt. Mit den Stipendien sollen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Wachstumsstörungen beim Menschen erweitert werden. Die diesjährigen Preisträger wurden im Rahmen einer offiziellen Preisverleihungsfeier anlässlich der 55. Jahrestagung der European Society for Pediatric Endocrinology (ESPE) in Paris bekannt gegeben. Nach einem rigorosen Auswahlprozess unter Sichtung von 38 Bewerbungen aus 20 Ländern wurden drei Stipendien für innovative Projekte aus Australien, Brasilien und Italien vergeben.

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BIOPHARMA-PIPELINE

Stand: 31. Dezember 2016

Therapiegebiet
Wirkstoff
Indikation Status
Neurologie
Cladribin-Tabletten (Lymphozyten-reduzierender Wirkstoff) Schubförmige Multiple Sklerose Zulassungsprozess1
     
Onkologie
Tepotinib (c-Met-Kinase-Inhibitor) Nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom Phase II
Tepotinib (c-Met-Kinase-Inhibitor) Leberzellkarzinom Phase II
Tepotinib (c-Met-Kinase-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M2698 (p70S6K/Akt-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M3814 (DNA-PK-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
BeiGene-283 (BRAF-Inhibitor) Solide Tumoren Phase I
M7583 (BTK-Inhibitor) Hämatologische Malignome Phase I
     
Immunonkologie
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Merkelzellkarzinom Zulassungsprozess2
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom, Zweitlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Magenkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Magenkarzinom, Drittlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Harnblasenkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Platinresistentes/-refraktäres Ovarialkarzinom Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Ovarialkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Nierenzellkarzinom, Erstlinie Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Lokal fortgeschrittene Kopf-Hals-Tumoren Phase III
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Solide Tumoren Phase I
Avelumab (monoklonaler Anti-PD-L1-Antikörper) Hämatologische Malignome Phase I
M9241 (NHS-IL12 Krebsimmuntherapie) Solide Tumoren Phase I3
M7824 (Anti-PD-L1/TGF-β-Trap) Solide Tumoren Phase I
     
Immunologie
Sprifermin (Fibroblasten-Wachstumsfaktor 18) Osteoarthrose Phase II
Atacicept (Anti-BLys-/Anti-APRIL-Fusionsprotein) Systemischer Lupus erythematodes Phase II
M2951 (BTK-Inhibitor) Rheumatoide Arthritis Phase II
M2951 (BTK-Inhibitor) Systemischer Lupus erythematodes Phase I
M1095 (ALX-0761, Anti-IL-17A/F-Nanobody) Psoriasis Phase I
Abituzumab (Anti-CD51 mAb) Systemische Sklerose mit interstitieller Lungenerkrankung Phase II
     
Biosimilars
MSB 11022 (Biosimilar-Kandidat zu Adalimumab) Chronische Plaque-Psoriasis Phase III
     
1
Laut Mitteilung vom 18. Juli 2016 hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Antrag auf Marktzulassung für das Prüfpräparat Cladribin-Tabletten zur Behandlung von schubförmiger Multipler Sklerose (MS) zur Prüfung angenommen.
2
Laut Mitteilung vom 31. Oktober 2016 hat die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Zulassungsantrag von Merck für Avelumab in der vorgesehenen Indikation metastasiertes Merkelzellkarzinom (MCC) für die behördliche Prüfung anerkannt. Wie am 29. November 2016 bekannt gegeben, hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) außerdem den Antrag auf Zulassung des Biologikums Avelumab in dieser Indikation zur Prioritätsprüfung angenommen.
3
Studie gefördert vom National Cancer Institute (USA). Weitere Informationen zu aktuellen klinischen Studien finden Sie unter www.clinicaltrials.gov. Pipelineprodukte werden in klinischen Studien untersucht; für sie liegt kein Nachweis der Sicherheit und Wirksamkeit vor. Es kann nicht gewährleistet werden, dass jedes Produkt auch in der beantragten Indikation zugelassen wird.
Akt
Proteinkinase B
APRIL
Proliferationsinduzierender Ligand
BLyS
B-Lymphozyten-Stimulator
BTK
Brutontyrosinkinase
IL
Interleukin
PD-L1
Programmierter Zelltod-Ligand 1
PK
Proteinkinase

Consumer Health

In unserem Selbstmedikationsgeschäft Consumer Health entwickeln und vertreiben wir nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel in Europa, vorrangig für Frankreich, Deutschland und Großbritannien, sowie in Wachstumsmärkten Lateinamerikas, des Mittleren Ostens, Afrikas und Südostasiens. Der Schwerpunkt unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten liegt auf der stetigen Verbesserung bewährter Rezepturen sowie der Entwicklung von neuen Produkten und Erweiterungen von Produktlinien. Der Konsument und seine Bedürfnisse stehen im Zentrum unserer Innovationstätigkeiten. Dabei stützen wir uns auf intensive Marktforschung in unseren Hauptmärkten. Zu diesem Zweck etablieren wir seit 2014 verstärkt Kooperationsvereinbarungen mit unabhängigen Forschungseinrichtungen, um so gezielt auf deren Expertise bei der Entwicklung von neuen Produkten gemäß den speziellen Bedürfnissen unserer Kunden zurückzugreifen.

Biosimilars

Im März 2016 haben wir den Start einer globalen klinischen Phase-III-Studie zu MSB11022, einem Biosimilar-Kandidaten zu Adalimumab, in der Indikation chronische Plaque-Psoriasis bekannt gegeben. Adalimumab ist ein humaner rekombinanter monoklonaler Antikörper, der spezifisch an den Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) bindet. Bei AURIEL-Psoriasis (PsO) handelt es sich um eine randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studie zur Bewertung der Wirksamkeit, Sicherheit und Immunogenität des Adalimumab-Biosimilarkandidaten MSB11022 von Merck im Vergleich zum Originalpräparat Humira® (Adalimumab) bei Patienten mit mäßig bis schwer ausgeprägter chronischer Plaque-Psoriasis. Humira® wird weltweit von AbbVie, Inc., USA, vermarktet. In die Studie sollen ungefähr 400 Patienten aus Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika aufgenommen werden.

Merck befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen zur Veräußerung der Biosimilars-Geschäftsaktivitäten und ein Vollzug der Veräußerungstransaktion wird noch im Geschäftsjahr 2017 erwartet.

Allergopharma

Unser Allergiegeschäft Allergopharma ist einer der führenden Hersteller diagnostischer Tests und verschreibungspflichtiger Arzneimittel für die allergenspezifische Immuntherapie (AIT). Mit unserer eigenen Forschung und Entwicklung sowie in Kooperation mit Forschungsinstituten und externen Partnern tragen wir zu einem besseren Verständnis des immunologischen Mechanismus bei, der sich hinter der Entwicklung von Allergien verbirgt, und arbeiten aktiv an der nächsten Generation von Präparaten für die allergenspezifische Immuntherapie.

Life Science

Innovationen sind das Herzstück des Mehrwerts, den wir für unsere Kunden schaffen. Unser Unternehmensbereich Life Science beschäftigt weltweit zirka 1.500 Mitarbeiter in unterschiedlichen Funktionen der Forschung und Entwicklung. Diese Teams arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um die größten Herausforderungen im Bereich Life Science zu lösen und Ideen in Produktinnovationen zu überführen. Hierzu investieren wir signifikant in die Forschung und Entwicklung.

Das Geschäftsjahr 2016 war geprägt von einer Vielzahl innovationsfördernder Aktivitäten, die zu unserem Versprechen beitragen, den Zugang zu Gesundheit für Menschen in aller Welt zu beschleunigen. Wir wollen:

  • unser Portfolio verbessern und ausweiten,
  • langfristig in neue, bahnbrechende Technologien investieren,
  • Partnerschaften mit Kunden und Experten weltweit eingehen und
  • die Bedürfnisse unserer Kunden bedienen.

Erweiterung und Verbesserung des Portfolios

Wir haben im gesamten Geschäftsjahr 2016 Innovationen in allen Segmenten unseres Portfolios eingeführt. In unserer Geschäftseinheit Research Solutions brachten wir mit CellASIC®ONIX2 eine Mikrofluidik-Plattform für die verbesserte Lebendzellanalyse auf den Markt. Mit dem System werden Labormikroskope zu leistungsstarken Werkzeugen für die Lebendzell-Bildgebung und erlauben so eine tiefergehende Analyse von Zellmechanismen und des Verhaltens lebender Zellen.

Bei Process Solutions haben wir unsere für die Arzneimittelentwicklung elementare Bioreaktor-Plattform um neue Mobius®-Produkte erweitert: Hierzu gehören der 1.000-Liter-Einweg-Bioreaktor Mobius® 1000 und das 2.000-Liter-Mischsystem Mobius® Power MIX 2000. Darüber hinaus haben wir unseren hochmodernen cGMP-konformen Herstellbetrieb in Frankreich um einen 2.000-Liter-Einwegbioreaktor der Produktreihe Mobius®erweitert. Wir wollen die Entwicklung und Bereitstellung von Arzneimitteln durch kontinuierliche Innovation und technisches Knowhow beschleunigen, indem wir Kunden eine lückenlose Komplettlösung bieten.

Die neueste Ergänzung unseres umfassenden Portfolios von Hilfsstoffen ist Parteck®MXP, ein auf Polyvinylalkohol basierender Hilfsstoff, der die Löslichkeit einer großen Bandbreite von Arzneimittelwirkstoffen mit niedriger Bioverfügbarkeit erhöht. Das Produkt ermöglicht unseren Kunden, Herausforderungen in puncto Löslichkeit zu überwinden, an denen die Weiterentwicklung vielversprechender und potenziell lebensverändernder Arzneimittelkandidaten ansonsten scheitern könnte. Ein weiteres Produkt aus diesem Portfolio, Parteck®SRP 80, wurde von der globalen Organisation CPhI als herausragende Innovation ausgezeichnet. Bei diesem neuen Hilfsstoff handelt es sich um einen funktionellen, direkt verpressbaren Hilfsstoff zur Formulierung fester oraler Darreichungsformen mit lang anhaltender Wirkstofffreisetzung. Er ist vollsynthetisch und sichert damit die Konsistenz der einzelnen Chargen in Qualität sowie Funktionalität und optimiert die Bioverfügbarkeit von Wirkstoffen.

Als Branchenführer im Bereich der Filtration haben wir unser Portfolio um das Produkt Viresolve® Pro Shield H verstärkt. Es verbessert die Aggregatentfernung und reduziert die zur Verarbeitung der Feed-Ströme erforderliche Virenfilterfläche. Gleichzeitig bleibt die hohe Virusabreicherung erhalten, auf die sich unsere Kunden verlassen. Das neue Viresolve® Pro Shield H wird zur robusteren und kostengünstigeren Virusabreicherung als Vorfilter für Viresolve®-Pro-Filtrationseinheiten eingesetzt.

Bei Applied Solutions haben wir unser Portfolio zertifizierter Referenzmaterialien für die angewandte Diagnostik der Produktreihe Cerilliant® erweitert. Wir haben neun neue Certified Spiking Solutions® eingeführt, bei denen neueste weltweite Forschungsergebnisse und Verfahren für präzise und zuverlässige Ausgangsmaterialien zum Einsatz kommen.

Seit der Einführung der ersten Wasserfiltrationseinheit im Jahr 1974 setzen wir den Maßstab in puncto Zuverlässigkeit und Anwendungskomfort bei Sterilitätsprüfungen. Unsere neue Zubehörserie für die Steritest™-Symbio-Pumpensysteme meistert die Testherausforderungen in unterschiedlichen Laborumgebungen. Sie verbessert die Sicherheit und den Komfort bei Probenbearbeitung, Filtrierung und Abfallentsorgung sowie Behältertransport, Inkubation und Ablesung.

Langfristige Investition in neue, bahnbrechende Technologien

Fortschritte bei der Geneditierung mit Methoden wie CRISPR tragen dazu bei, neue Therapieoptionen für schwierig zu behandelnde Krankheiten schneller zu entdecken und herzustellen. Wir stellen Tools für die Geneditierung und Zelllinien sowohl für eine schnellere und bessere Wirkstoffsuche als auch für eine schnellere und bessere biopharmazeutische Herstellung von genmodifizierten Zelltherapien her. Unsere 2016 eingeführten Innovationen untermauern unser Engagement, Wissenschaftler und Forscher mit den erforderlichen Lösungen auszustatten, um neue Tools für eine bessere Gesundheitsversorgung zu entwickeln.

Im März 2016 haben wir bekannt gegeben, dass unser CRISPR Epigenetic Activator von der Fachzeitschrift The Scientist unter die Top-10-Innovationen des Jahres gewählt wurde. Das System ermöglicht es der Life-Science-Branche, anspruchsvolle Regulationsaspekte der Genexpression zu erforschen, da eine epigenetische Modifikation genetischer Loci sowohl in proximaler als auch in distaler Position eines Gens von Interesse möglich ist.

Auf diesen Erfolg folgte im Mai die Ankündigung, dass wir unseren Standort Carlsbad in Kalifornien (USA) ausbauen, um den steigenden Bedarf an virus- und genbasierten Therapeutika decken zu können. Mit der Erweiterung bauen wir auf unserem branchenführenden Angebot für die Herstellung und Prüfung innovativer und komplexer Produkte auf und werden unsere Kunden mit einem nahtlosen Leistungsspektrum vom klinischen bis zum gewerblichen Maßstab unterstützen. Die Erweiterung umfasst Einweg-Prozesssysteme in flexiblem, skalierbarem Format für die Bulkherstellung von Arzneimitteln im klinischen wie auch im kommerziellen Maßstab.

Im September haben wir eine neue Geneditierungstechnologie eingeführt, mit der CHO-Zelllinien dahingehend modifiziert werden können, dass sie gegenüber MVM (Minute Virus of Mice), einem Maus-Parvovirus, resistent sind. Letztere stellen trotz der Umstellung auf chemisch definierte Herstellprozesse ohne tierische Bestandteile ein typisches Kontaminierungsrisiko dar. Die neue Centinel™-Technologie richtet sich gezielt auf Gene, die bei der Empfindlichkeit der Zielzellen für MVM eine Rolle spielen, und verdeutlicht, wie wir durch die einzigartige Kombination aus Erfahrung und Technologien einige der größten Herausforderungen der Branche in Angriff nehmen.

Mit den Sanger Arrayed Lentiviral CRISPR Libraries haben wir die ersten geordneten, lentiviralen Human- und Maus-CRISPR-Bibliotheken zum Abschalten beziehungsweise Screening von Genfunktionen auf den Markt gebracht. Mit der Bibliothek, die vom R&D Magazine unter die Top-100-Innovationen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung gewählt wurde, können Gene ermittelt werden, die an Arzneimittelresistenzen, Krankheiten beim Menschen und unterschiedlichsten biologischen Prozessen beteiligt sind.

Partnerschaften

Wir haben eine Forschungsvereinbarung mit dem International Vaccine Institute aus Seoul (Korea), abgeschlossen, um die Entwicklung von Aufreinigungsprozessen der nächsten Generation zu unterstützen. Durch diese Partnerschaft verbessern wir den Herstellungsprozess, um Produktionsertrag und Rückgewinnung zu steigern und so Impfstoffe mit höherem Reinheitsgrad herzustellen. Damit tragen wir zur Entwicklung eines moderneren, skalierbaren und stabilen Herstellungsprozesses bei, der den Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen in Entwicklungsländern erleichtern soll.

Unsere Kunden sehen sich bei der Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung von Impfstoffen mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Da wir mit unserem technologischen Knowhow diesen Bereich unterstützen wollen, traten wir dem DiViNe-Projekt bei, einem europäischen Konsortium aus sechs Unternehmen, die an der Entwicklung eines integrierten, kostengünstigen Aufreinigungsprogramms speziell für Impfstoffe arbeiten, mit dem höhere Produktionserträge bei gleichbleibender Produktintegrität erreicht werden können. Als ein Branchenführer im Bereich der Chromatografie konzentrieren wir uns speziell auf die Vereinfachung des Aufreinigungsprozesses für Impfstoffe, der in der Regel auf einer Affinitätschromatografie als Methode zur Antikörper-Bindung basiert.

Außerdem unterzeichneten wir eine Kooperationsvereinbarung mit der Evotec International GmbH, Hamburg, um den Arbeitsablauf der Wirkstoffsuche zu beschleunigen. Zudem soll die aufwendige interne Entwicklung und Auswertung von Assays entfallen. Durch die Zusammenarbeit können Kunden CRISPR- und shRNA-Bibliotheken spezifisch auswählen und dann Evotecs umfassende Möglichkeiten zum Phänotypenscreening für primäre und induzierte pluripotente Stammzellen sowie In-vivo-Krankheitsmodelle nutzen. Kunden können so Krankheitsmechanismen schneller und effizienter erforschen und neue Targets ermitteln.

Im Dezember haben wir unsere Vertriebsallianz mit verschiedenen Gesellschaften des Roche-Konzerns, Schweiz, ausgebaut und werden den exklusiven Vertrieb neuartiger Enzyme für die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und quantitative Echtzeit-PCR von Kapa Biosystems, einem Unternehmen von Roche, übernehmen. Die Erweiterung der Allianz wird unseren Kunden einen besseren Zugang zu neuartigen Produkten über unsere erstklassigen Vertriebskanäle bieten. Diese Vereinbarung ist ein Wachstumstreiber für unseren Unternehmensbereich Life Science, über die hochwertige Markentools für Genomik, Proteomik und Zellanalyse angeboten werden können.

Bedürfnisse unserer Kunden bedienen

Um unser Engagement für die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden zu untermauern, haben wir eine Neuauflage unseres globalen Netzwerks von Kundenkooperationszentren (M Lab™ Collaboration Centers) gestartet. Die Zentren bieten unseren Kunden eine explorative Arbeitsumgebung im Austausch mit Wissenschaftlern und Ingenieuren, um die größten Herausforderungen der biopharmazeutischen Herstellung zu lösen. Die dynamische Umgebung fördert die Zusammenarbeit mit Kunden und die Problemlösung von der Präklinik bis zur gewerblichen Produktion. Unsere Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten eng mit den Kunden zusammen, um ihre Bedürfnisse bei der biopharmazeutischen Produktion zu verstehen und anschließend innerhalb der Forschung und Entwicklung umzusetzen.

2016 haben wir außerdem Vereinbarungen getroffen, im Rahmen derer wir unser Provantage®-End-to-End-Serviceangebot für die Entwicklung und Produktion dem Unternehmen Y-mAbs Therapeutics, Inc., zur Verfügung stellen, um dessen monoklonalen Antikörper für Hirntumoren bei Kindern aus der Spätphase der klinischen Entwicklung zu fördern. Ebenso haben wir eine Vereinbarung mit dem Unternehmen Acticor Biotech bezüglich der Entwicklung einer sicheren und effektiven Behandlung für Schlaganfälle getroffen. Unsere Provantage®-Komplettlösung ist ein umfassendes Programm von Produkten und Dienstleistungen, mit dem biopharmazeutische Unternehmen ihre Wirkstoffe schneller zur klinischen Erprobung und Vermarktung bringen können.

Performance Materials

Wir sind der unangefochtene Markt- und Technologieführer bei Flüssigkristallen (Liquid Crystals, kurz LCs) und Photoresist-Materialien, die vor allem in Fernsehgeräten und in der mobilen Kommunikation Anwendung finden. Zudem zählen wir zu den führenden Anbietern von OLED-Materialien sowie dekorativer und funktioneller Effektpigmente. Materialien für integrierte Schaltkreise runden das Portfolio ab.

Display Materials

Wir haben mit unseren Kunden, den Displayherstellern, weiter daran gearbeitet, die leistungsfähigsten Flüssigkristalltechnologien weiterzuentwickeln. Dazu gehört die mit mehreren Preisen ausgezeichnete, energiesparende Flüssigkristall-Technologie UB-FFS (Ultra-Brightness Fringe-Field Switching) für mobile Anwendungen. UB-FFS testen wir zusätzlich auch für nicht-mobile Anwendungen. 2017 werden die ersten Produkte mit unserer neuen Flüssigkristall-Technologie SA-VA (self-aligned vertical alignment) auf dem Markt erwartet. Ebenso wie die etablierte Flüssigkristall-Technologie PS-VA (polymer stabilized vertical alignment) kommt SA-VA primär in hochwertigen Fernsehgeräten oder anderen großen Displays (zum Beispiel öffentlichen Informationsdisplays) zum Einsatz. Die neue Technologie ist sehr umweltfreundlich und ressourcenschonend, weil sie bei der Displayherstellung weniger Energie und Lösungsmittel benötigt. Außerdem ist sie für die Displayhersteller effizienter, weil weniger Prozessschritte notwendig sind. Da die SA-VA-Technologie bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden kann, eignet sie sich für sensible Materialien etwa in Premiumprodukten oder Zukunftsanwendungen wie flexiblen Displays.

Um unsere Position im immer wichtiger werdenden chinesischen Markt zu stärken, haben wir im September ein Forschungs- und Entwicklungslabor für Displaymaterialien in Shanghai eröffnet. Das neue F&E-Labor wird sich auf die Entwicklung neuer und verbesserter Mischungen für Flüssigkristalldisplays konzentrieren, die in China hergestellt werden. So können wir den Kunden in China unsere komplette Bandbreite an Produkten und Services anbieten und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern Zudem haben wir Flüssigkristalle unter dem Markennamen Licrivision™ verstärkt als innovatives Material für Fenster in Architektur- oder Automobilanwendungen positioniert. Derzeit konzentrieren wir uns auf drei Varianten: eine Sonnenschutz-, eine Blendschutz- und eine „Privacy“-Variante, bei der die Fenster auf Opak schalten. Nachdem mehrere Pilotanwendungen mit Flüssigkristallfenstern positiv aufgenommen wurden, haben wir entschieden, die Entwicklung weiter voranzutreiben und eine eigene Produktionsanlage für Flüssigkristallfenster-Module aufzubauen. Weiterhin gute Fortschritte macht die Entwicklung von „smarten Antennen“, in denen Flüssigkristalltechnologie zum Einsatz kommt.

Integrated Circuit Materials

In den letzten Jahren haben sich die Kosten pro Transistor für Computerchips nicht in gleichem Maße wie vorher verringert. Grund sind immer teurere Photolithographie-Schritte, die bei modernen Chips heute bereits mehr als die Hälfte an deren Herstellungskosten ausmachen. Für uns bietet sich so die Chance, neuartige und kosteneffektive Materialien zu entwickeln, die es unseren Kunden ermöglichen, den steigenden Kosten mit innovativen Prozessen entgegenzuwirken. Im Bereich der Spin-on-Dielektrika konnten wir unsere Marktposition mit qualitativ hochwertigen und anspruchsvollen Materialien weiter festigen. Darüber hinaus ist es uns gelungen, neue Produkte mit besserer Leistung sowie besseren Spezifikationen einzuführen und erfolgreich in neuen Speicherchip-Produktionslinien zu qualifizieren. Weiter forschen wir in engem Kontakt mit unseren Kunden an neuen Dielektrika, die an das niedrigere Prozesstemperatur-Budget neuartiger Chiptypen angepasst sind. Durch die Eingliederung des ehemaligen Sigma-Aldrich-Geschäfts SAFC Hitech sind wir in der Lage, Spin-on-Techniken mit Depositionsverfahren zu kombinieren und Kunden mit beidem aus einer Hand zu bedienen.

Pigments & Functional Materials

Die auf Aluminium-Plättchen basierenden Effektpigmente der Marke Meoxal® weisen eine außergewöhnlich hohe Farbsättigung und Brillanz auf. Für diese Pigmente, die insbesondere in Automobil- und Kunststofflackierungen eingesetzt werden, entwickeln wir neue Farbräume. Auch bei Xirallic®NXT, einer verbesserten Produktgeneration der bekannten Hightech-Effektpigmente, sind weitere Varianten in Entwicklung. Zuletzt eingeführt wurden Xirallic®NXT Leonis Gold, ein goldenes Pigment mit hohem Deckvermögen und außergewöhnlicher Glitzer-Intensität, und Xirallic®NXT Tigris Blue, ein reines, hochchromatisches Blaupigment.

Im Bereich der technischen Anwendungen haben wir unsere Aktivitäten bei Additiven für 3D-Laser-Direktstrukturierung mit Fokus auf den 3D-Druck von Kunststoffen verstärkt und Laborprototypen mit unseren Partnern entwickelt. Diese wurden erstmals auf der Kunststoff-Leitmesse K-2016 in Düsseldorf vorgestellt. Die Laser-Additive ermöglichen es, dreidimensionale Bauteile computergesteuert zu erstellen, diese mit elektronischen Bauelementen zu bestücken und durch lasergestützt aufgebrachte Leiterbahnen zu verschalten. Potenzial sehen wir auch im Energiemanagement. Wir erzielten gute Fortschritte in der Hochspannungstechnik, wo wir im staatlich geförderten BMBF-Forschungsprojekt „iShield“ mit universitären und industriellen Partnern neuartige Materialien für die Schirmung von Generatoren und Motoren entwickeln. Mit Iriotec® 7340 haben wir erstmals ein besonders helles leitfähiges Pigment zur Marktreife gebracht. Es lässt eine neutrale Untergrundfarbe zu, die für jede Lackierungsfarbe geeignet ist.

Erfolgreich weiterentwickelt haben wir unsere Produktreihe der Fluortenside, die sich auch aufgrund ihres positiven ökotoxikologischen Profils stark von ihren Mitbewerbern abhebt. Anfang 2017 soll mit Tivida® FL 3000 das Portfolio im Bereich nicht-ionischer Tenside erweitert werden. Schon in sehr geringen Konzentrationen bewirkt es eine signifikante Verbesserung des Verlauf- und Benetzungsverhaltens von Lacksystemen.

Neben den Materialien für technische Anwendungen arbeiten wir aber auch an innovativen Rohstoffen für die Kosmetik – kosmetische Füll- und Wirkstoffe. In Kooperation mit dem französischen Unternehmen Agrimer haben wir den ersten marinen Wirkstoff aus einer genetisch neu entschlüsselten Algenart in den Markt eingeführt. Das unter dem Markennamen RonaCare® RenouMer bekannte Produkt sorgt für eine straffere Haut und unterstützt die Kollagenbildung.

Advanced Technologies

Ein herausragendes Beispiel für unsere F&E-Aktivitäten in der Geschäftseinheit Advanced Technologies sind organische lichtemittierende Dioden (OLED), deren kontinuierliche Weiterentwicklung wir auch 2016 vorangetrieben haben.

Unsere strategischen Projekte für zukünftige Geschäftsfelder haben wir 2016 neu ausgerichtet – auf Megatrends wie Miniaturisierung und das Internet der Dinge, die sich rasant entwickeln. Die Arbeitsfelder, die wir daraus abgeleitet haben, umfassen zum einen die Hybridelektronik. Diese neue Generation von Elektronik lässt sich etwa für flexible Displays oder neuartige Sensoren einsetzen. Zum anderen gehört „Electronic Packaging“ dazu. Hierbei sehen wir die Zukunft in Materialien, die die kommende Generation von Halbleiterelementen schützen oder verkapseln können – auch für flexible Anwendungen. In beiden Arbeitsfeldern konzentrieren wir uns auf Märkte, in denen Merck bereits eine führende Stellung einnimmt, nämlich Display- und Halbleitermaterialien. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit bereichsübergreifenden Themen, denn intelligente Materialien gewinnen auch in den Unternehmensbereichen Healthcare und Life Science an Bedeutung. Ein Beispiel sind Sensoranwendungen, die gezielt Temperaturprofile und Bewegungsabläufe bei Patienten überwachen. Auf den Gebieten Energiespeicherung und Dünnschichttransistoren arbeiten wir in Projekten mit Partnerunternehmen zusammen, die mithilfe unserer innovativen Produkte neue Lösungen auf den Markt gebracht haben. Auch im Bereich der druckbaren organischen Photovoltaik haben wir Fortschritte erzielt: In enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden sind 2016 mehrere massenproduktionstaugliche Druckmaschinen in den Betrieb gegangen. Möglich wurde dies durch unsere Drucktinten, gezielt für den Kundenprozess entwickelte und abgestimmte Formulierungen.