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Ziele und Strategien

Wir wollen Technologien für ein besseres Leben weiterentwickeln. Auf der Basis wissenschaftlicher Forschung und in Zusammenarbeit mit Partnern fokussieren wir uns dazu auf spezialisierte Produkte in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials.

Allgemeine Grundsätze und Konzernstrategie

Allgemeine Grundsätze

Merck ist ein lebendiges Wissenschafts- und Technologieunternehmen. Unser Ziel ist es, durch technologischen Fortschritt das Leben besser und unsere Kunden und Partner erfolgreicher zu machen. Dieser Anspruch äußert sich in einer wertebasierten und wirtschaftlich nachhaltigen Unternehmensführung, ist seit 2015 in unserem neuen Markenversprechen verankert und lenkt die Strategieentwicklung für den Konzern.

Unser jährlicher Strategie-Planungsprozess folgt fest definierten Grundsätzen. So soll unser Geschäftsportfolio stets so ausbalanciert sein, dass es eine optimale Mischung zwischen unternehmerischen Chancen und Risiken widerspiegelt. Dies erreichen wir zum einen durch die Diversifizierung in drei komplementäre Unternehmensbereiche, die das Unternehmen insgesamt unabhängiger von Konjunkturzyklen machen, sowie zum anderen durch den Ausbau unserer Präsenz in globalen Wachstumsmärkten – ein Beispiel für die langfristige Ausrichtung unserer Konzernstrategie. Wir wollen die fast 350-jährige Erfolgsgeschichte von Merck auch in den kommenden Generationen fortschreiben und nachhaltig profitabel wachsen. Dazu trägt auch die Gesellschaftsstruktur der Merck KGaA bei. Sie verpflichtet die Mitglieder der Geschäftsleitung, die wie die betreffenden Mitglieder der Merck-Familie persönlich haftende Gesellschafter sind, ein besonderes Augenmerk auf langfristige Wertentwicklung zu legen.

Der Grundsatz der Nachhaltigkeit gilt bei uns nicht nur für wirtschaftliche Aspekte, sondern schließt auch gesellschaftliche Verantwortung mit ein. Wir engagieren uns in drei strategischen Handlungsfeldern: Gesundheit, Umwelt und Kultur. Dabei stets im Fokus: die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens. So wollen wir mit unserem bestehenden und künftigen Produktportfolio einen Beitrag dazu leisten, globale Herausforderungen zu meistern, von der Urbanisierung bis hin zur alternden Bevölkerung.

Konzernstrategie

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich Merck von einem klassischen Pharma- und Chemieunternehmen zu einem globalen Wissenschafts- und Technologiekonzern verändert. Wesentlicher Treiber war der Umbau unseres Geschäftsportfolios, insbesondere durch den Verkauf des Generikageschäfts (2007) und die Übernahmen von Serono (2007), Millipore (2010), AZ Electronic Materials (2014) und Sigma-Aldrich (2015). Hinzu kamen die Fokussierung unserer Geschäfte auf innovationsgetriebene und hochspezialisierte Produkte, die umfassende Reorganisation interner Strukturen und Prozesse sowie die Stärkung unserer Präsenz in globalen Wachstumsmärkten.

Heute nehmen wir mit unseren drei Unternehmensbereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials führende Positionen in den jeweiligen Märkten ein. Diese wollen wir festigen und ausbauen. Wir setzen dazu auf innovationsgetriebenes, organisches Wachstum. So wollen wir bis 2022 mit neuen Produkten Umsätze im Volumen von rund 4 Mrd. € erzielen. Dazu sollen Produkte aus der Pharmapipeline rund 2 Mrd. € beisteuern, Innovationen der Bereiche Life Science und Performance Materials jeweils rund 1 Mrd. €.

Ein weiterer Weg zu Wachstum bleiben punktuelle Akquisitionen, die unsere bisherigen Stärken sinnvoll ergänzen oder erweitern. Große Zukäufe im Volumen von über 500 Mio. € schließt Merck jedoch weiterhin aus, solange der Verschuldungsgrad aus Nettofinanzverbindlichkeiten / EBITDA vor Sondereinflüssen über 2 liegt – es sei denn, sie ließen sich durch Veräußerungen finanzieren. Bis 2018 soll wieder ein Verschuldungsgrad von unter 2 erreicht sein.

Unsere Konzernstrategie zielt darauf ab, die Transformation von Merck zu einem spezialisierten Technologieunternehmen stringent fortzusetzen und uns führend in einem sich wandelnden Marktumfeld zu positionieren. Zu diesem Zweck haben wir 2016 die Konzernfunktion „Group Strategy & Transformation“ geschaffen. Sie bündelt die bisher separat geführten Einheiten Strategie, Innovation und Digitalisierung und soll die erfolgreiche und zeitnahe Implementierung strategischer Kernprojekte gewährleisten. Diese Projekte haben wir in den drei Prioritätsfeldern „Leistung“, „Menschen“ und „Technologie“ zusammengefasst.

„Leistung“ umfasst alle Aktivitäten, die nachhaltig profitables Wachstum schaffen. Dazu richten wir unsere Geschäfte konsequent an den Bedürfnissen und Anforderungen unserer Kunden und von Patienten aus – sowohl mit unseren Produkten als auch durch größtmögliche Kundennähe. Die Grundlage dafür bilden effiziente Strukturen und Prozesse sowie ein nachhaltiges Finanzmanagement. Ein Beispiel für „Leistung“ sind die zügige und nahtlose Integration von Sigma-Aldrich in unser Life-Science-Geschäft sowie die Realisierung der damit verbundenen Synergien. Hier kamen wir schneller voran als geplant. Zudem sollen zuvor nicht eingeplante Umsatzsynergien bis Ende 2018 für einen zusätzlichen Ergebnisbeitrag von 20 Mio. € sorgen. Somit sollen die gesamten Synergien aus der Sigma-Aldrich-Akquisition 280 Mio. € anstatt ursprünglich 260 Mio. € pro Jahr betragen.

Die Wachstumsstrategie von Merck erfordert eine Arbeitskultur, die Vielfalt wertschätzt, Zusammenarbeit fördert und flexibel auf sich verändernde Anforderungen reagiert. Denn gerade in der heutigen globalen Wissensgesellschaft sind qualifizierte und motivierte Mitarbeiter ein entscheidender Faktor für unternehmerischen Erfolg – das gilt ganz besonders für ein Wissenschafts- und Technologieunternehmen wie Merck. Im Rahmen unseres Prioritätsfelds „Menschen“ entwickeln wir deshalb unser Personalmanagement weiter und schaffen ein Umfeld, in dem Innovation und Kreativität gedeihen können. Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Weiterentwicklung unserer Führungskultur, die Förderung von Talenten und die Stärkung der länder- und abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit, etwa durch flexible Arbeitsmodelle oder die Nutzung einer modernen Kommunikationsinfrastruktur.

Das Prioritätsfeld „Technologie“ umfasst die beiden miteinander verknüpften Schwerpunkte Innovation und Digitalisierung. Die Entwicklung und Vermarktung innovativer Produkte und Dienstleistungen steht im Mittelpunkt unserer Konzern- und aller Geschäftsstrategien. Wir wollen Innovationen innerhalb der Geschäfte ebenso vorantreiben wie Innovationen zwischen den Geschäften und über die bestehenden Geschäfte hinaus in Feldern, in denen wir bislang noch nicht aktiv sind.

Dabei wollen wir insbesondere die Chancen der Digitalisierung nutzen, um Mehrwert für unsere Patienten, Kunden und Partner zu schaffen. Unter Digitalisierung verstehen wir die digitale Integration unserer gesamten Wertschöpfungskette, die Digitalisierung unserer Produkte, Dienstleistungen und Kommunikationsschnittstellen zum Kunden sowie die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle – unterstützt durch modernste Verfahren zur Erhebung und Analyse von Massendaten („Big Data“).

Konzernweit arbeiten wir außerdem daran, die physische und virtuelle Infrastruktur für technologiegetriebenes Wachstum zu verbreitern. Herzstück soll unser mehr als 7.000 Quadratmeter großes Innovationszentrum werden, das bis Ende 2017 in Darmstadt gebaut wird. Bis zur Eröffnung bietet unser bereits 2015 eröffnetes Interims-Innovationszentrum eine Plattform für die Entwicklung neuer Technologien, etwa im Rahmen unseres Accelerator-Programms. Mit dieser Initiative und unserer Fachkompetenz in Wissenschaft und Technologie unterstützen wir Start-ups dabei, ihre Visionen in tragfähige Geschäftsmodelle umzusetzen.

2016 haben wir darüber hinaus unseren bestehenden Biopharma-Venture-Fonds auf alle drei Unternehmensbereiche ausgedehnt und auf ein Gesamtvolumen von 300 Mio. € erhöht. Mit einem vierten Investitionssegment ist der neue Merck-Venture-Fonds zudem offen für Investitionen in Geschäfte jenseits unseres derzeitigen Portfolios.

Kompetenzinitiativen

2013 hatten wir bei Merck vier Kompetenzinitiativen ins Leben gerufen. Sie adressieren Themen, die für die Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens von grundlegender Bedeutung sind. Die Kompetenzinitiativen „EINE Marke Merck“, „EIN Rahmen für Personalentwicklung, Vergütung und Leistungsmanagement“, „EIN Rahmen für Prozessharmonisierung“ und „EINE globale Unternehmenszentrale“ treiben weiterhin wichtige Veränderungen voran oder haben sich zu regulären Aktivitäten entwickelt. So wurden im Oktober 2015 ein grundlegend überarbeiteter Markenauftritt sowie eine vereinfachte Markenarchitektur vorgestellt, die wir derzeit weltweit auf allen Ebenen implementieren. 2016 starteten wir in diesem Zusammenhang die digitale Markenkampagne „Bahnbrechendes beginnt mit Neugier“ ( curiosity.merckgroup.com), die wissenschaftliche Neugier und Entdeckerfreude als treibende Kräfte für Innovationen in den Fokus rückt.

Geschäftsstrategien

Healthcare-Strategie

Globale Megatrends wie die wachsende Weltbevölkerung und eine steigende Lebenserwartung steigern die Nachfrage nach unseren Produkten für die Gesundheitsversorgung: biopharmazeutische Arzneimittel, vorwiegend für Erkrankungen mit dringendem medizinischem Bedarf sowie Selbstmedikationsmarken, die das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Gesellschaft widerspiegeln.

Um diese Bedürfnisse decken und angemessen auf die Dynamik unserer Gesundheitsmärkte reagieren zu können, haben wir unseren Unternehmensbereich Healthcare in den zurückliegenden Jahren maßgeblich umstrukturiert: Wir treiben Pipelineprojekte voran, um Patienten neue, bahnbrechende Therapien zur Verfügung zu stellen, maximieren unser bestehendes Portfolio und expandieren weiter in Wachstumsmärkten.

Unser Unternehmensbereich Healthcare umfasst die vier Geschäfte Biopharma, Consumer Health, Biosimilars und Allergopharma. Das vielfältige Angebot und das tiefgreifende medizinische Knowhow dieser Geschäfte sind maßgebliche Stärken, mit denen wir uns im Markt absetzen. In jedem unserer Geschäfte spezialisieren wir uns auf Therapieschwerpunkte und bestimmte Erkrankungen.

Das Ziel von Healthcare ist es, ein globaler Anbieter von innovativen Spezialprodukten zu werden, in Therapiegebieten mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf tätig zu sein und Patienten sowie Verbrauchern einen signifikanten Mehrwert zu bieten. Wir investieren entsprechend stark in die Forschung und Entwicklung, um neue Therapieoptionen zu entdecken und vorhandene zu verbessern. Wir wollen mit unseren Interessengruppen und Partnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Menschen Zugang zu den erforderlichen Arzneimitteln haben, um gesund zu bleiben und länger zu leben.

Um dabei erfolgreich zu sein, wollen wir unsere Größe, globale Aufstellung und Innovationskraft nachhaltig nutzen. Dabei sehen wir ein Gleichgewicht aus Innovation und operativer Exzellenz als Schlüssel zum Erfolg. Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, um unser Konzept der Kundenorientierung auf eine neue Ebene zu heben. Um die Kundenbindung zu verbessern, stärken wir unsere Beziehungen zu Ärzten und bauen Kompetenzen im Bereich der digitalen, prädiktiven und Big-Data-Analytik auf.

Die erste Säule unserer Strategie ist die Stärkung unserer globalen Präsenz, indem wir unser maßgeschneidertes Portfolio für Erkrankungen mit ungedecktem medizinischem Bedarf in allen Regionen weltweit einführen. Während entwickelte Märkte wie die USA, Japan und Europa wichtige strategische Märkte für unsere innovativen Spezialprodukte darstellen, wird der Umsatz in Wachstumsmärkten wie China von unseren etablierten Therapien und Biologika für Facharzttherapiegebiete und Präparaten aus dem Bereich Allgemeinmedizin getragen. Gleichzeitig müssen wir unsere Aktivitäten aber auch weiterhin auf Wachstum in den USA konzentrieren, um unser Ziel zu erreichen, ein wirklich global führender Anbieter zu sein. So haben wir über die Vermarktungskooperation mit Pfizer zu Xalkori® Eintritt in den US-amerikanischen Onkologiemarkt erhalten, was bei der Vorbereitung der zukünftigen Markteinführung unseres Anti-PD-L1-Antikörpers Avelumab hilfreich ist.

Die zweite Säule unserer Strategie ist die Entwicklung von Wirkstoffkandidaten der frühen und späten Phase der klinischen Entwicklung für Spezialtherapiegebiete. Wir konzentrieren uns dabei auf die Onkologie und Immunologie und wollen sicherstellen, dass wir ein maßgeblicher Akteur in unseren Kerntherapiegebieten bleiben. So haben wir signifikant in die Forschung und Entwicklung investiert, vor allem in Bereichen mit hohem medizinischem Bedarf, und uns stärker auf Wirkmechanismen und Moleküle konzentriert, die zu bahnbrechenden Innovationen in der Krebstherapie, Neurologie und Immunologie führen sollen. Wir wollen Krebspatienten zu Krebsüberlebenden machen, indem wir uns an vorderster Front dafür einsetzen, die Zukunft der Krebstherapie zu verändern. Weitere Entwicklungsprogramme für die Bereiche Immunologie und Neurologie sind Cladribin-Tabletten mit ihrem einzigartigen Dosierungsschema als wichtige Therapieoption für Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose sowie Atacicept als potenzielle Therapieoption für Lupus-Patienten mit hoher Krankheitsaktivität.

Die dritte Säule unserer Strategie sind Innovationen. Wir wollen qualitativ hochwertige Wirkstoffe als erste Vertreter auf den Markt bringen und für eine Erkrankung die jeweils beste Behandlung entwickeln sowie in jedem unserer ausgewählten Therapiegebiete ein eigenes Portfolio aufbauen. Wir haben unsere Pipeline gestrafft und unsere Innovationskapazitäten mit starken Arzneimittelkandidaten ausgebaut. Um unsere Investitionen in die Forschung und Entwicklung mit maximalem Erfolg einzusetzen und unsere Erfolgschancen bei der Suche und Entwicklung neuer Therapien zu erhöhen, konzentrieren wir unser Knowhow auf bestimmte Therapiegebiete und nutzen Synergien bei Krankheitsmechanismen und biologischen Signalwegen.

Dabei sind strategische Partnerschaften ein wesentlicher Faktor dafür, dass wir unser Ziel erreichen, im Leben von Patienten mit schwerwiegenden, bislang nicht therapierbaren Erkrankungen Entscheidendes zu bewirken. Wir messen Kooperationen einen hohen Stellenwert bei, wenn es darum geht, bahnbrechende Therapien zu erforschen und zu entwickeln sowie unser aktuelles Portfolio zu stärken. Wir setzen hier auf eine ausgewogene Mischung aus internen Kompetenzen sowie externen Partnerschaften und bauen auf starke Kooperationen mit anderen Branchenführern wie zum Beispiel Pfizer oder Genea.

Mit unseren Einheiten Medical Devices and Services sowie Fertility Technologies generieren wir Innovationen über Pipelineprojekte hinaus. Neben innovativen Therapieansätzen ist die Art und Weise, wie wir mit Verbrauchern interagieren, elementar, wenn wir unser Ziel erreichen wollen, ein globaler Anbieter von innovativen Spezialprodukten zu werden.

Merck befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen zur Veräußerung der Biosimilars-Geschäftsaktivitäten und ein Vollzug der Veräußerungstransaktion wird noch im Geschäftsjahr 2017 erwartet.

Life-Science-Strategie

Als führendes Geschäft in der 100 Mrd. € großen Life-Science-Industrie ist das Ziel des Unternehmensbereichs Life Science, in Zusammenarbeit mit Kunden und anderen Fachkreisen weltweit die größten Herausforderungen der Branche zu meistern. Um die Bedürfnisse unserer Kunden am besten erfüllen und Innovationen beschleunigen zu können, haben wir die für Innovationen und Produktentwicklung verantwortlichen Geschäftseinheiten strategisch um unsere Kunden herum organisiert: Research Solutions fokussiert sich auf akademische und pharmazeutische Forschungseinrichtungen. Process Solutions vermarktet Produkte und Dienstleistungen für die gesamte Wertschöpfungskette der pharmazeutischen Produktion. Applied Solutions bedient klinische und diagnostische Prüflabore sowie die Lebensmittelindustrie und Umweltbranche. Mit seinem erweiterten Portfolio von über 300.000 Produkten, von denen die meisten über unsere branchenführende E-Commerce-Plattform ( sigmaaldrich.com) verfügbar sind, bietet Life Science Lösungen, Dienstleistungen und Fachwissen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Biotech-Industrie.

Unsere Strategie konzentriert sich auf drei Bereiche: Wir wollen unser Kerngeschäft vorantreiben, die geplanten Synergien der Integration der ehemaligen Merck-Millipore- und Sigma-Aldrich-Geschäfte bis zum Ende des Geschäftsjahres 2018 heben und neue Säulen für Wachstum etablieren.

Um unsere Portfolios auszubauen, aktualisieren wir unser Betriebsmodell und unsere Markteinführungsstrategie. Außerdem werden wir Schlüsselfunktionen innerhalb von Life Science stärken und hierzu die Leistungsfähigkeit der Lieferkette optimieren, um die Servicelevels in den kombinierten Geschäftseinheiten Research Solutions und Applied Solutions anzugleichen. Bei Process Solutions weisen wir eine starke Geschäftskontinuität auf und arbeiten an weiteren Qualitätsverbesserungen in bestimmten Bereichen. Unsere Innovationskapazität bleibt der entscheidende Faktor für zukünftiges Wachstum und wir werden in Schlüsselbereichen wie der Geneditierung auf die Schaffung geistigen Eigentums als Strategie setzen. Informationstechnologie ist eine Kernfunktion von Life Science in unserem Bestreben, unsere Kompetenzen in den Bereichen E-Commerce, digitales Marketing und Analytik zu verbessern. Hierbei stützen wir uns auf unsere vom ehemaligen Unternehmen Sigma-Aldrich übernommene Führungsposition und bauen diese weiter aus.

Wir haben das erste Jahr der auf drei Jahre angelegten Integration beendet und große Fortschritte gemacht: In der neuen Organisation sind alle entscheidenden Funktionen besetzt und die Integrationsteams in den entsprechenden Geschäftsfunktionen zusammengeführt. Der Wert der Integration ist klar zu erkennen: signifikante Umsatzsteigerung und schnellere Hebung von Synergien als erwartet durch mehrere regionale Synergieinitiativen, die E-Commerce-Plattform und komplementäre Kundenstämme. Wir konzentrieren uns weiterhin auf die grundlegende Prozessharmonisierung innerhalb der gesamten Organisation zur Zufriedenheit der Mitarbeiter und Kunden.

Basierend auf einer breit angelegten Bewertung der Markt- und Wettbewerbslandschaft sowie der wichtigsten Branchentrends haben wir sechs strategische Initiativen identifiziert, um künftiges Wachstum voranzutreiben. Hierzu gehören auch die Geneditierung und Zelltherapie sowie Komplettlösungen, bei denen wir der Partner der Wahl für die Beschleunigung der Produkt- und Arzneimittelentwicklung sein wollen. Wir konzentrieren uns auf die Vervollständigung unseres End-to-End-Angebots an Dienstleistungen für die Prozessentwicklung der Früh- und Spätphase sowie die Anlagenplanung, um die lokale Arzneimittelproduktion zu beschleunigen. Außerdem bauen wir eine neue, vernetzte Laborlandschaft auf, um Anforderungen im Labor wie die Datenerfassung, Dokumentation und Lagerhaltung effizient zu erfüllen.

Performance-Materials-Strategie

Im Unternehmensbereich Performance Materials wollen wir unsere Markt- und Technologieführerschaft bei Displaymaterialien nachhaltig sichern. Darüber hinaus wollen wir unsere Kompetenz bei Flüssigkristallen über das Anwendungsfeld der Displays hinaus erschließen. Gleichzeitig profitieren wir von den Trends in der Halbleiterindustrie und werden den Effektpigmentmarkt bei Anwendungen für Lacke auch weiterhin dominieren.

Die Nachfrage nach innovativen Displaylösungen ist in den vergangenen Jahren weltweit weiter angestiegen. Wir gehen davon aus, dass eine aufstrebende Mittelschicht in den Wachstumsmärkten auch in den kommenden Jahren vermehrt hochwertige Konsumgüter nachfragen wird. Daher wollen wir auch künftig unsere Position als Markt- und Technologieführer bei Flüssigkristallen festigen. Neue, anspruchsvolle Flüssigkristalltechnologien sind hierzu der Schlüssel. Unsere umweltfreundliche, ressourcenschonende und effiziente Flüssigkristalltechnologie SA-VA (self-aligned vertical alignment) für großflächige Displays ist die nächste Technologie, mit der 2017 die ersten Produkte auf dem Markt erwartet werden.

Die Geschäftseinheit Integrated Circuit Materials unterstützt die gesamte Halbleiterindustrie mit einem Portfolio maßgeschneiderter Lösungen. Die Leistung konventioneller Siliziumchips lässt sich nur noch bedingt steigern. Gleichzeitig verringern sich die Kosten nicht mehr in gleicher Geschwindigkeit wie bisher: Bei modernen Chips machen diese heute bereits mehr als die Hälfte der Herstellungskosten aus. Für uns bietet sich so die Chance, neuartige Materialien zu entwickeln, die es unseren Kunden zum einen ermöglichen, leistungsfähigere Chips zu produzieren, und zum anderen, den steigenden Kosten mit innovativen Prozessen entgegenzuwirken. Photolithographie- sowie Depositionsmaterialien und Dielektrika können die Leistungsfähigkeit der Halbleiter erhöhen. „Packaging“-Materialien gewinnen an Bedeutung, wenn es darum geht, 3D-Varianten von Chips zu entwickeln. Durch die Akquisition von Ormet Circuits haben wir genau dort unser Portfolio gestärkt.

In der Geschäftseinheit Pigments & Functional Materials bauen wir unsere führende Position bei Effektpigmenten für Automobillacke weiter aus. Unsere gute Marktposition bei Perlglanzpigmenten für Kunststoff-, Druck- und Kosmetikanwendungen verteidigen wir weiter. Dabei konzentrieren wir uns auf qualitativ hochwertige Produkte und eine Optimierung der Lieferkette. Bei den funktionellen Materialien liegen die Schwerpunkte unserer Wachstumsstrategie weiterhin bei Nischenanwendungen in der Kosmetik (zum Beispiel UV-Filter, Insektenschutz, Anti-Aging) sowie technischen Funktionsmaterialien (beispielsweise Lasermarkierung, Antistatik-Anwendungen). Besonders attraktiv sind hier Kooperationen mit externen Partnern.

Ziel unserer Geschäftseinheit Advanced Technologies ist es, profitable Zukunftsgeschäfte zu entwickeln – sowohl für Performance Materials als auch für andere Unternehmensbereiche von Merck. Dazu gehören auch die Weiterentwicklung der OLED-Materialien sowie die organische Photovoltaik. Unsere Projekte für zukünftige Geschäftsfelder haben wir 2016 neu ausgerichtet – auf Megatrends wie die Miniaturisierung und das Internet der Dinge.

Strategische Initiativen

Die beiden strategischen Initiativen „OLED“ (Organic Light Emitting Diodes) und „LC 2021“ sollen einen signifikanten Beitrag zu unserem zukünftigen Wachstum leisten und für weiterhin attraktive Margen sorgen. Unser erklärtes Ziel ist es, der führende Anbieter von OLED-Materialien zu werden. Mit der Inbetriebnahme unserer neuen Produktionsanlage für OLED-Materialien in Darmstadt, die unsere Produktionskapazität signifikant erhöht, sind wir diesem Ziel einen wichtigen Schritt näher gekommen. Die Technologie hat das Potenzial, die Zukunft für Displays und Beleuchtung zu verändern. Intensive Farben, ein besonders tiefes Schwarz, eine dünne und flexible Nutzung sowie ein geringer Energieverbrauch sind nur einige Vorzüge der selbstleuchtenden OLED-Displays. OLED-Lichtanwendungen punkten mit dünnen, filigranen und leichten Leuchtpanels und einem natürlich anmutenden Farbspektrum. Unter dem Dach der strategischen Initiative „LC 2021“ bündeln wir zukünftige Anwendungen von Flüssigkristallen, die über klassische Displays hinausgehen. Auf insgesamt sechs Feldern beschäftigen wir uns einerseits mit einer verbesserten Nutzererfahrung und andererseits mit Licht- und Datenmanagement. Allen voran sind die Flüssigkristallfenster zu nennen: Um Module für solche Sonnenschutz- und Sichtschutz-Fenster herzustellen, bauen wir in Veldhoven in den Niederlanden eine eigene Produktion auf. Sie soll Ende 2017 in Betrieb gehen.

Strategische Finanz- und Dividendenpolitik

Wir verfolgen eine konservative Finanzpolitik, die durch die folgenden Aspekte gekennzeichnet ist.

Finanzielle Flexibilität und konservative Finanzierungsstrategie

Wir stellen sicher, dass wir unsere Verpflichtungen jederzeit erfüllen können, und halten eine konservative und proaktive Finanzierungsstrategie ein, in deren Rahmen wir verschiedene Finanzinstrumente einsetzen.

Unsere diversifizierten und profitablen Geschäftsaktivitäten bilden das Fundament für unsere Fähigkeit, robuste und nachhaltige Cash Flows zu generieren. Darüber hinaus haben wir mehrere Finanzierungsquellen eingerichtet. So verfügt Merck beispielsweise über eine syndizierte Kreditlinie über 2 Mrd. €, die bis 2020 läuft und zur Deckung eines unerwarteten Bedarfs an liquiden Mitteln eingesetzt werden kann. Bei dieser Kreditlinie handelt es sich um eine reine Back-up-Fazilität, die bislang noch nicht in Anspruch genommen wurde. Darüber hinaus steht uns ein „Commercial Paper Program“ mit einem Volumen von 2 Mrd. € zur Verfügung. Im Rahmen dieses Programms können wir kurzfristige Commercial Papers mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr begeben.

Außerdem nutzen wir zur Optimierung von Finanzierungsstruktur und Finanzierungskosten bilaterale Kreditvereinbarungen mit erstklassigen Banken. Der Anleihemarkt stellt diesbezüglich grundsätzlich einen wesentlichen Bestandteil dar. Aufgrund des Fokus auf Entschuldung wurde im Jahr 2016 jedoch keine Anleihe begeben. In der Vergangenheit hat Merck schwerpunktmäßig Anleihen in Europa begeben. Überdies haben wir im Jahr 2014 Hybridanleihen in Höhe von 1,5 Mrd. € sowie im Jahr 2015 US-Dollar-Anleihen mit einem Volumen von 4 Mrd. US-Dollar begeben, um die Finanzierung breiter aufzustellen und verschiedene Investorengruppen anzusprechen.

Pflege nachhaltiger und verlässlicher Geschäftsbeziehungen zur Gruppe der Kernbanken

Wir arbeiten schwerpunktmäßig mit einer breit gestreuten, finanziell stabilen und verlässlichen Gruppe von Banken zusammen. Aufgrund des langfristig ausgerichteten Geschäftsmodells von Merck halten die Geschäftsbeziehungen zu Banken typischerweise viele Jahre und zeichnen sich durch Professionalität und Vertrauen aus. Die Bankengruppe besteht aus Finanzinstituten mit überzeugenden Kompetenzen bei verschiedenen Produkten und Regionen. Wir betrachten diese Banken als strategische Partner. Dementsprechend beziehen wir sie in wichtige Finanzierungstransaktionen ein.

Starkes Investment-Grade-Rating

Unser Bonitäts-Rating von externen Ratingagenturen ist ein wichtiger Indikator für die finanzielle Stabilität der Gesellschaft. Ein starkes Investment-Grade-Rating ist eine wichtige Säule in der Finanzpolitik von Merck, da dieses Rating den Zugang zu den Kapitalmärkten zu attraktiven Konditionen sichert. Merck wird zurzeit von Moody’s mit Baa1 und von Standard & Poor’s (S&P) mit A bewertet, beide mit stabilem Ausblick. Zudem wurde im Jahr 2016 ein Kredit-Rating der europäischen Ratingagentur Scope eingeführt. Das Rating lautet A– mit stabilem Ausblick. Es ist für uns von höchster Wichtigkeit, uns in den nächsten zwei bis drei Jahren stark zu entschulden und die Ratings aus der Zeit vor der Übernahme von Sigma-Aldrich wieder zu erreichen.

Dividendenpolitik

Wir verfolgen eine nachhaltige Dividendenpolitik. So bildet die aktuelle Dividende – eine stabile Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds vorausgesetzt – die Untergrenze für künftige Dividendenvorschläge. Die Dividendenpolitik orientiert sich an der Geschäftsentwicklung und der Ergebnissteigerung der kommenden Jahre. Das Dividendenwachstum kann jedoch einen abweichenden Verlauf nehmen, zum Beispiel im Rahmen von Restrukturierungen oder bei signifikanten weltwirtschaftlichen Entwicklungen. Wir streben einen Zielkorridor von 20 – 25 % des Ergebnisses je Aktie vor Sondereinflüssen an.