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Konzernanhang

Allgemeine Angaben

(1) Unternehmensinformationen

Der vorliegende Konzernabschluss zum 31. Dezember 2016 ist auf die das operative Geschäft des Merck-Konzerns führende MERCK Kommanditgesellschaft auf Aktien (Merck KGaA), Frankfurter Straße 250, 64293 Darmstadt, eingetragen im Handelsregister beim Amtsgericht Darmstadt unter der Nummer HRB 6164, als Obergesellschaft aufgestellt. Gemäß den Vorschriften des Publizitätsgesetzes wird zusätzlich ein Konzernabschluss auf das oberste Mutterunternehmen, die E. Merck Kommanditgesellschaft (E. Merck KG), den Komplementär der Merck KGaA, dessen Kapitalanteil am 31. Dezember 2016 bei 70,274 % lag, aufgestellt. Dieser Konzernabschluss schließt die Merck KGaA und ihre Tochtergesellschaften ein. Beide Abschlüsse werden beim Bundesanzeiger eingereicht und sind danach unter www.bundesanzeiger.de abrufbar.

(2) Grundlagen der Berichterstattung

Der vorliegende Konzernabschluss wurde im Einklang mit den am Abschlussstichtag gültigen und von der Europäischen Union anerkannten International Financial Reporting Standards des International Accounting Standards Board und des IFRS Interpretations Committee (IFRS beziehungsweise IAS sowie IFRIC beziehungsweise SIC) sowie nach den ergänzend anzuwendenden Vorschriften des § 315a HGB aufgestellt. Das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr. Die Aufstellung erfolgte in der Berichtswährung Euro. Die im Konzernanhang dargestellten Zahlen wurden kaufmännisch gerundet. Dies kann dazu führen, dass sich einzelne Werte nicht zu dargestellten Summen aufaddieren lassen.

Gegenüber dem Vorjahr ergaben sich keine wesentlichen Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden. Eine Darstellung der im Konzernabschluss angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze erfolgt in den Anmerkung (49) „Bewertungsgrundsätze“ bis [65] „Anteilsbasierte Vergütungsprogramme“.

Folgende Regelungen gelten ab dem Geschäftsjahr 2016 verbindlich:

  • Änderung des IAS 1 „Darstellung des Abschlusses“
  • Änderungen des IAS 16 „Sachanlagen“
  • Änderung des IAS 19 „Leistungen an Arbeitnehmer “
  • Änderung des IAS 27 „Einzelabschlüsse“
  • Änderung des IAS 28 „Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen“
  • Änderung des IAS 38 „Immaterielle Vermögenswerte“
  • Änderung des IAS 41 „Landwirtschaft“
  • Änderung des IFRS 10 „Konzernabschlüsse“
  • Änderung des IFRS 11 „Gemeinsame Vereinbarungen“
  • Änderung des IFRS 12 „Angaben zu Anteilen an anderen Unternehmen“
  • Jährliche Verbesserungen an den IFRS, Zyklus 2010 – 2012
  • Jährliche Verbesserungen an den IFRS, Zyklus 2012 – 2014

Aus den Änderungen ergaben sich keine wesentlichen Auswirkungen auf den Konzernabschluss.

Folgende Regelungen werden ab dem Geschäftsjahr 2018 verbindlich gelten:

  • IFRS 9 „Finanzinstrumente“
  • IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“
  • Änderung des IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“

 

Im Rahmen der Einführung des IFRS 9 liegen derzeit die Untersuchungsschwerpunkte auf der Analyse der Effekte des neuen Wertminderungsmodells bei den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie der Klassifizierung und Bewertung der von Merck gehaltenen Eigenkapitalinstrumente. Nach derzeitigem Kenntnisstand werden sich durch die Neuregelungen im Bereich der bilanziellen Abbildung von Sicherungsgeschäften (Hedge-Accounting) keine wesentlichen Anpassungseffekte für Merck ergeben. Die Darstellung der Finanzinstrumente in der Konzernbilanz wird sich durch die neuen Klassifizierungs- und Kategorisierungsregeln ändern. Eine abschließende, verlässliche Abschätzung der sonstigen Auswirkungen aus der erstmaligen Anwendung des IFRS 9 liegt noch nicht vor. Merck wird von der Möglichkeit der modifizierten Erstanwendung Gebrauch machen und die kumulierten Anpassungsbeträge aus der erstmaligen Anwendung zum 1. Januar 2018 erfassen.

Seit Anfang des Jahres 2015 analysiert ein funktionsübergreifendes Projektteam die Auswirkungen der neuen Vorschriften des IFRS 15 zur Umsatzerlösrealisierung durch quantitative und qualitative Analysen, Befragungen sowie Vertragsanalysen. Da Merck den weit überwiegenden Anteil seiner Umsatzerlöse zeitpunktbezogen aus einfachstrukturierten Warenverkäufen erzielt und nur in geringem Umfang längerfristige Dienstleistungen erbringt oder komplexe Verkaufstransaktionen mit mehreren Leistungsverpflichtungen eingeht, werden aus der erstmaligen Anwendung des IFRS 15 nach derzeitiger Einschätzung lediglich unwesentliche Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage erwartet. Nur geringe Relevanz für Merck entfalten nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand insbesondere die Neuregelungen zu variablen Gegenleistungen, zu Vertragsgewinnungs- oder -erfüllungskosten sowie zu Prinzipal-Agenten-Beziehungen. Ferner bestehen separate abspaltungspflichtige Leistungsverpflichtungen aus Transport- und sonstigen Logistikleistungen nur in sehr geringem Ausmaß. Lediglich geringfügige Anpassungseffekte werden sich voraussichtlich aus den Änderungen im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt des Kontrollübergangs bei Produktverkäufen, der Bilanzierung von Auslizenzierungen von geistigem Eigentum sowie der Bilanzierung von Rückgaberechten ergeben. Nach derzeitigem Kenntnisstand und bezogen auf den Vertragsbestand zum Abschlussstichtag würde sich der Anpassungseffekt aus einer geänderten Abbildung von Mehrkomponentenverträgen mit eingeschlossener Dienstleistungskomponente zum Zeitpunkt der Erstanwendung des IFRS 15 auf unter 10 Mio. € belaufen. Die Implementierung der Neuregelungen in die Systeme und Prozesse der Konzerngesellschaften wurde im Jahr 2016 begonnen und wird im Verlauf des Jahres 2017 abgeschlossen werden. Die notwendigen Systemanpassungen betreffen insbesondere die erweiterten Angabepflichten zu Umsatzerlösen im Konzernanhang. Merck wird von der Möglichkeit der modifizierten Erstanwendung Gebrauch machen und die kumulierten Anpassungsbeträge aus der erstmaligen Anwendung zum 1. Januar 2018 erfassen.

Folgende Regelungen wurden bis zum Bilanzstichtag vom International Accounting Standards Board in englischer Sprache veröffentlicht und noch nicht von der Europäischen Union anerkannt:

  • IFRS 14 „Regulatory Deferral Accounts“
  • IFRS 16 „Leases“
  • IFRIC 22 „Foreign Currency Transactions and Advance Consideration“
  • Amendment to IAS 7 „Statement of Cash Flows“
  • Amendment to IAS 12 „Income Taxes“
  • Amendment to IAS 28 „Investments in Associates and Joint Ventures“
  • Amendment to IAS 40 „Investment Property“
  • Amendment to IFRS 2 „Share-based Payment“
  • Amendment to IFRS 4 „Insurance Contracts“
  • Amendment to IFRS 10 „Consolidated Financial Statements“
  • Amendment to IFRS 15 „Revenue from Contracts with Customers“
  • Annual Improvements to IFRSs 2014 – 2016 Cycle

 

Die Auswirkungen auf den Konzernabschluss durch den vorbehaltlich einer entsprechenden Anerkennung durch die Europäische Union 2019 erstmals anzuwendenden IFRS 16 werden zurzeit untersucht.

Die Umsetzung des IFRS 16 wird dazu führen, dass Merck als Leasingnehmer grundsätzlich für alle Leasingverhältnisse eine Verbindlichkeit und ein dazugehöriges Nutzungsrecht bilanziell zu erfassen hat. Die Möglichkeit, ein Leasingverhältnis als operatives Leasingverhältnis zu klassifizieren und nur die verbundenen Aufwendungen im Periodenergebnis zu erfassen, entfällt. Merck wird von dem Wahlrecht des IFRS 16 Gebrauch machen, Nutzungsrechte und die korrespondierenden Verbindlichkeiten aus geringwertigen Leasingverhältnissen auch künftig nicht bilanziell zu erfassen. Zum Zeitpunkt der Erstanwendung wird Merck von der Erleichterung des IFRS 16 Gebrauch machen, den kumulativen Umstellungseffekt zu erfassen, anstatt rückwirkend eine Anpassung der Vergleichsperiode vorzunehmen. Um die Auswirkungen des IFRS 16 bestimmen zu können, wurden bislang etwa 7.000 Leasingverträge identifiziert und analysiert. Nach dem derzeitigen Stand der Analyse wird sich mit der Umstellung auf IFRS 16 die Bilanzsumme um weniger als 2 % erhöhen.

Durch die übrigen neuen Regelungen werden aus heutiger Sicht ebenfalls keine wesentlichen Auswirkungen auf den Konzernabschluss erwartet.

(3) Entwicklung des Konsolidierungskreises

Der Konsolidierungskreis entwickelte sich im Berichtszeitraum wie folgt:

29.5 KB EXCEL
   
Vollkonsolidierte Gesellschaften am 31. Dezember 2015 316
Zugänge Gründungen 2
Zukäufe 5
Wesentlichkeit 8
Abgänge Liquidation / Verschmelzung – 13
Verkäufe – 3
Unwesentlichkeit
Kontrollverlust – 2
Vollkonsolidierte Gesellschaften am 31. Dezember 2016 313
Nicht konsolidierte Tochtergesellschaften am 31. Dezember 2015 63
Nicht konsolidierte Tochtergesellschaften am 31. Dezember 2016 48

Insgesamt betrugen die Auswirkungen der wegen untergeordneter Bedeutung nicht konsolidierten Tochterunternehmen auf Umsatzerlöse, Ergebnis nach Steuern, Vermögenswerte und Eigenkapital bezogen auf den gesamten Merck-Konzern weniger als 1 %. Die Anteile an wegen untergeordneter Bedeutung nicht konsolidierten Tochterunternehmen wurden als „zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte“ kategorisiert und unter den langfristigen finanziellen Vermögenswerten ausgewiesen (siehe Anmerkung (18) „Finanzielle Vermögenswerte“).

Die venezolanischen Gesellschaften wurden mit Wirkung zum 29. Februar 2016 entkonsolidiert, da die Unternehmensleitung zu der Einschätzung kam, dass aufgrund des nahezu vollständigen Ausbleibens von Dividendenzahlungen und Zahlungen von konzerninternen Warenlieferungen keine Möglichkeit mehr gegeben war, variable Rückflüsse aus dem Engagement in Venezuela zu erhalten und zu beeinflussen (siehe Anmerkung (6) „Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten“). Die Entkonsolidierungen wurden entsprechend als Abgänge aus Kontrollverlust gezeigt.

Eine Zusammenstellung aller in den Konzernabschluss einbezogenen Gesellschaften sowie des gesamten Anteilsbesitzes der Merck KGaA erfolgt in Anmerkung (66) „Aufstellung des Anteilsbesitzes“.

(4) Akquisitionen sowie zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen

Akquisition der BioControl Systems, Inc., USA

Merck übernahm mit Wirkung zum 21. Dezember 2016 sämtliche Anteile an der BioControl Systems, Inc., Bellevue, USA, (BioControl), einem Unternehmen, das Materialien und Systeme zur Überprüfung der Lebensmittelsicherheit entwickelt, herstellt und vertreibt. BioControl wird in den Unternehmensbereich Life Science eingegliedert werden. Der Kaufpreis betrug 167 Mio. US-Dollar (umgerechnet zum Stichtagskurs am 21. Dezember 2016: 160 Mio. €). Die Kaufpreisallokation konnte zum 31. Dezember 2016 noch nicht durchgeführt werden, sodass die erworbenen Vermögenswerte und Schulden vorläufig zu Buchwerten angesetzt wurden.

Akquisition der Sigma-Aldrich Corporation, USA, im Geschäftsjahr 2015

Am 18. November 2015 erlangte Merck die Kontrolle über die Sigma-Aldrich Corporation, St. Louis, USA, (Sigma-Aldrich). Das Life-Science-Geschäft von Sigma-Aldrich wurde in den Unternehmensbereich Life Science und das SAFC-Hitech-Geschäft in den Unternehmensbereich Performance Materials integriert.

Aufgrund des Erwerbszeitpunkts 18. November 2015 trug das erworbene Geschäft von Sigma-Aldrich im Geschäftsjahr 2015 nur für diesen Zeitraum zu dem Ergebnis des Merck-Konzerns bei. Die Konzernzugehörigkeit für das Berichtsjahr 2016 führte zu wesentlichen Auswirkungen vor allem auf die Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung und die Konzernkapitalflussrechnung. Die erworbenen und zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Vorräte wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten in den Herstellungskosten erfasst. Die Sachanlagen werden über einen Zeitraum von bis zu 36 Jahren planmäßig abgeschrieben. Im Geschäftsjahr 2016 ergaben sich hieraus Abschreibungen von 135 Mio. €.

Die immateriellen Vermögenswerte werden über einen Zeitraum von bis zu 22 Jahren planmäßig abgeschrieben. Die Abschreibungen betrugen im Geschäftsjahr 2016 335 Mio. €.

Kaufpreisallokation

Die Bestimmung der beizulegenden Zeitwerte erforderte umfangreiche Analysen und Berechnungen, die im November 2016 abgeschlossen wurden. Im Vergleich zur vorläufigen Kaufpreisallokation ergaben sich Anpassungen des Vorratsvermögens, des Sachanlagevermögens, der immateriellen Vermögenswerte, der langfristigen finanziellen Vermögenswerte, der kurzfristigen Rückstellungen sowie der latenten Steuerschulden.

Die beizulegenden Zeitwerte zum Erwerbszeitpunkt stellten sich wie folgt dar:

32.5 KB EXCEL

in Mio. €
Beizulegende
Zeitwerte zum
Erwerbszeitpunkt
Langfristige Vermögenswerte
Immaterielle Vermögenswerte (ohne Geschäfts- oder Firmenwert) 5.808
Sachanlagen 838
Sonstige langfristige Vermögenswerte 124
6.770
Kurzfristige Vermögenswerte
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente 1.235
Vorräte 841
Forderungen 452
Sonstige kurzfristige Vermögenswerte 36
Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte 124
2.688
Vermögenswerte 9.458
   
Langfristige Verbindlichkeiten
Langfristige Finanzschulden
Sonstige langfristige Verbindlichkeiten und Rückstellungen 150
Latente Steuerschulden 2.511
2.661
Kurzfristige Verbindlichkeiten
Kurzfristige Finanzschulden 425
Sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten und Rückstellungen 539
Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten
964
Schulden 3.625
   
Erworbenes Nettovermögen 5.833
   
Kaufpreis für den Erwerb der Anteile 14.594
Positiver Unterschiedsbetrag (Geschäfts- oder Firmenwert) 8.761

Die bedeutendsten Einflüsse aus der Kaufpreisallokation ergaben sich aus der Neubewertung der immateriellen Vermögenswerte, der Sachanlagen sowie der fertigen und unfertigen Erzeugnisse im Vorratsvermögen zum beizulegenden Zeitwert und aus dem Ansatz der latenten Steuern. Die im Rahmen der Kaufpreisallokation identifizierten und zum Erstkonsolidierungszeitpunkt angesetzten immateriellen Vermögenswerte sowie die bei deren Bewertung angewendeten Bewertungsverfahren sind in der nachfolgenden Übersicht dargestellt:

31 KB EXCEL
Beizulegender Zeitwert im Erwerbszeitpunkt
in Mio. €
Nutzungsdauer in Jahren Bewertungsverfahren zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts
Kundenbeziehungen 4.623 21 – 22 Residualwertmethode
Markenrechte 958 12 Lizenzpreisanalogiemethode
Technologien (patentiert und unpatentiert) 130 10 – 12 Lizenzpreisanalogiemethode,
Reproduktionskostenmethode
Sonstige 97
Summe 5.808
       
Geschäfts- oder Firmenwert 8.761 unbestimmt
Summe 14.569

Wesentlich für die Bewertung der Kundenbeziehungen war die Annahme zur langfristigen Bindung der Kunden. Bei einem um einen Prozentpunkt höheren jährlichen Kundenverlust wäre der beizulegende Zeitwert der Kundenbeziehungen 468 Mio. € niedriger und die Abschreibungsdauer um zwei Jahre zu verkürzen gewesen. Die bedeutendste Annahme bei der Bewertung der Markenrechte waren die zugrunde gelegten Lizenzraten. Diese wurden aus verfügbaren Marktinformationen abgeleitet. Bei einer Verminderung der Lizenzraten um 0,25 Prozentpunkte wäre der beizulegende Zeitwert um 57 Mio. € niedriger gewesen.

Der positive Unterschiedsbetrag in Höhe von 8.761 Mio. € wurde als Geschäfts- oder Firmenwert angesetzt. Dieser beinhaltet erwartete Synergien, die sich aus der Integration von Sigma-Aldrich in den Merck-Konzern ergeben werden, sowie nicht ansetzbare immaterielle Vermögenswerte wie das Knowhow des übertragenen Mitarbeiterstamms. Die Synergien werden vor allem in den Bereichen der Verwaltung, der Produktion und des Einkaufs erwartet. Neben diesen Kostensynergien sind auch Ertragssynergien insbesondere durch die Nutzung der E-Commerce-Plattform von Sigma-Aldrich für Produkte des bisherigen Life-Science-Geschäfts zu erwarten. Der Geschäfts- oder Firmenwert wurde den beiden Unternehmensbereichen Life Science (8.402 Mio. €) und Performance Materials (359 Mio. €) zugeordnet. Der Geschäfts- oder Firmenwert ist erwartungsgemäß steuerlich nicht absetzbar.

Die Entwicklung des Geschäfts- oder Firmenwerts zwischen den beiden Bilanzstichtagen stellte sich wie folgt dar:

29 KB EXCEL

in Mio. €
Entwicklung des Geschäfts- oder Firmenwerts
Geschäfts- oder Firmenwert am 31. Dezember 2015 1 8.541
Wechselkurseffekte 336
Geschäfts- oder Firmenwert am 31. Dezember 2016 8.877
1Vorjahreszahl wurde angepasst.

Wesentliche Eventualverbindlichkeiten wurden im Zuge der Kaufpreisallokation nicht identifiziert. Die Bruttobeträge der erworbenen Forderungen betrugen zum Erwerbszeitpunkt 457 Mio. €. Die bestmögliche Schätzung der uneinbringlichen Forderungen belief sich auf 5 Mio. €.

Weitere Akquisitionen im Vorjahr

Merck übernahm im Dezember 2015 die noch ausstehenden Anteile in Höhe von 89,7 % an Ormet Circuits, Inc., San Diego, USA, (Ormet) um seine Position als Hersteller von Materialien für die Halbleiterindustrie zu stärken. Ormet wurde in den Unternehmensbereich Performance Materials integriert. Für den Erwerb der ausstehenden Anteile wurden 30 Mio. US-Dollar (28 Mio. €) ausgegeben. Der Kaufpreis betrüge 31 Mio. US-Dollar (28 Mio. €) für 100 % der Anteile. Aus der Neubewertung der vor Kontrollerlangung bestehenden Anteile an Ormet wurde insgesamt ein Aufwand von 1 Mio. € verbucht. Im Vorjahr wurde der vorläufige Unterschiedsbetrag aufgrund des kurz vor Jahresende erfolgten Erwerbs vollständig als Geschäfts- oder Firmenwert ausgewiesen. In der im Jahr 2016 durchgeführten Kaufpreisallokation wurden technologiebezogene immaterielle Vermögenswerte in Höhe von 26 Mio. € identifiziert. Insgesamt ergaben sich latente Steuerschulden in Höhe von 4 Mio. €. Somit verblieb ein Geschäfts- oder Firmenwert von 3 Mio. €.

Merck übernahm Ende Juli 2015 die noch ausstehenden Anteile in Höhe von 52,3 % an dem Start-up-Unternehmen Qlight Nanotech Ltd., Jerusalem, Israel, (Qlight). Merck hält seitdem 100 % der Anteile des Unternehmens. Qlight ist im Bereich der Forschung von Quantenmaterialien tätig und wurde in den Unternehmensbereich Performance Materials eingegliedert. Der Kaufpreis umfasste ein fixes Entgelt in Höhe von 3 Mio. US-Dollar (3 Mio. €), Meilensteinzahlungen von bis zu 4 Mio. US-Dollar (4 Mio. €) sowie Lizenzentgelte, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Es ergaben sich keine Anpassungen an der vorläufigen Kaufpreisallokation und an der Bewertung der bedingten Kaufpreisbestandteile.

Vorjahresanpassungen der Konzernbilanz aufgrund abgeschlossener Kaufpreisallokationen im Geschäftsjahr 2016

Im Geschäftsjahr 2016 wurden die zum 31. Dezember 2015 vorläufigen Kaufpreisallokationen für die Sigma-Aldrich Corporation, USA, sowie die Ormet Circuits, Inc., USA, abgeschlossen.

Die Werte der Konzernbilanz zum 31. Dezember 2015 wurden wie folgt rückwirkend angepasst:

35 KB EXCEL

Vorjahresanpassung

  31.12. 2015
in Mio. € Vor Anpassung Sigma-Aldrich Corporation Ormet Circuits, Inc. Nach Anpassung
Langfristige Vermögenswerte 30.657 80 30.737
Davon:        
Geschäfts- oder Firmenwert 14.370 148 – 26 14.492
Immaterielle Vermögenswerte (ohne Geschäfts- oder Firmenwert) 10.969 – 65 26 10.930
Sachanlagen 4.009 – 2 1 4.008
Langfristige finanzielle Vermögenswerte 131 – 1 130
Nicht angepasste sonstige langfristige Vermögenswerte 1.178 1.178
         
Kurzfristige Vermögenswerte 7.350 – 10 4 7.344
Davon:        
Vorräte 2.620 – 10 2.610
Übrige kurzfristige Vermögenswerte 496 4 500
Nicht angepasste sonstige kurzfristige Vermögenswerte 4.234 4.234
         
Vermögenswerte 38.007 70 4 38.081
         
Eigenkapital 12.855 12.855
         
Langfristige Verbindlichkeiten 15.769 69 4 15.842
Davon:        
Latente Steuerschulden 2.853 69 4 2.926
Nicht angepasste sonstige langfristige Verbindlichkeiten 12.916 12.916
         
Kurzfristige Verbindlichkeiten 9.383 1 9.384
Davon:        
Kurzfristige Rückstellungen 535 1 536
Nicht angepasste sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten 8.848 8.848
         
Eigenkapital und Schulden 38.007 70 4 38.081

Veräußerung von Kuvan® und Peg-Pal

Am 1. Oktober 2015 traf Merck eine Vereinbarung mit BioMarin Pharmaceutical Inc., USA, (BioMarin) zur Veräußerung der Rechte an Kuvan® (Sapropterindihydrochlorid), einem Medikament zur Behandlung der seltenen Stoffwechselstörung Phenylketonurie (PKU), und der damit im Zusammenhang stehenden Geschäftsaktivitäten. Die dem Unternehmensbereich Healthcare zugeordneten Geschäftsaktivitäten wurden im Geschäftsjahr 2015 als Veräußerungsgruppe ausgewiesen und beinhalteten einen immateriellen Vermögenswert in Höhe von 24 Mio. €, den zuordenbaren Geschäfts- oder Firmenwert in Höhe von 22 Mio. € sowie in geringem Umfang Vorratsvermögen.

Ferner wurde ebenfalls am 1. Oktober 2015 eine Vereinbarung getroffen, nach der sich Merck zur Rückgabe der Entwicklungs- und Vermarktungsoption für Peg-Pal an BioMarin verpflichtet hat. Bei Peg-Pal handelt es sich um eine in der klinischen Entwicklung befindliche Prüfsubstanz, die ebenfalls der Behandlung von PKU dienen soll.

Beide Vereinbarungen traten Anfang Januar 2016 in Kraft. Merck erhielt auf Basis der Vereinbarungen im Januar 2016 eine Einstandszahlung in Höhe von 340 Mio. € für die Veräußerung der Rechte an Kuvan® und Anspruch auf Meilensteinzahlungen von bis zu 185 Mio. €.

Veräußerung von pakistanischen Tochterunternehmen

Am 9. Dezember 2016 veräußerte Merck seinen 75%igen Anteilsbesitz an der pakistanischen Merck (Private) Limited, deren Tochtergesellschaft Merck Pharmaceuticals (Private) Limited und seinen 100%igen Anteilsbesitz an der Merck Specialities (Private) Limited an Martin Dow Limited, Pakistan. Verbunden mit der Transaktion werden wechselseitig Markenrechte übertragen und dem Erwerber zugänglich gemacht. Die Geschäfte der pakistanischen Gesellschaften umfassten zugeordnete Geschäfts- oder Firmenwerte in Höhe von 7 Mio. €, Sachanlagevermögen in Höhe von 8 Mio. €, Vorräte in Höhe von 16 Mio. €, Zahlungsmittel in Höhe von 15 Mio. € und nicht beherrschende Anteile in Höhe von 10 Mio. €. Der Verlust aus der Veräußerung der drei Tochtergesellschaften belief sich auf 8 Mio. € und wurde als Teil der sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst.

Beabsichtigte Veräußerung der Biosimilars-Geschäftsaktivitäten

Merck befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen zur Veräußerung der Biosimilars-Geschäftsaktivitäten. Merck entwickelt in diesem Geschäftsfeld Nachfolgepräparate biopharmazeutischer Arzneimittel, schwerpunktmäßig in den Indikationsgebieten Onkologie und Autoimmunerkrankungen. Ein Vollzug der Veräußerungstransaktion wird noch im Geschäftsjahr 2017 erwartet. Die dem Unternehmensbereich Healthcare zuzuordnenden Geschäftsaktivitäten wurden zum 31. Dezember 2016 als Veräußerungsgruppe ausgewiesen und beinhalteten im Wesentlichen immaterielle Vermögenswerte in Höhe von 2 Mio. €, den zuzuordnenden Geschäfts- oder Firmenwert in Höhe von 9 Mio. € sowie Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten.

Mit Weiterveräußerungsabsicht erworbene Geschäftsteile von Sigma-Aldrich

Am 15. Dezember 2015 veräußerte Merck Teile des im Rahmen des Erwerbs der Sigma-Aldrich Corporation, USA, miterworbenen europäischen Geschäfts für Lösungsmittel und anorganische Stoffe an Honeywell Specialty Chemicals Seelze GmbH, Seelze, um kartellrechtliche Auflagen der Europäischen Kommission zu erfüllen. Entsprechend der Vereinbarung mit dem Erwerber erhielt Merck in der Berichtsperiode eine weitere Zahlung in Höhe von 24 Mio. €, die bereits im Vorjahr ergebniswirksam erfasst wurde.

(5) Kollaborationen von wesentlicher Bedeutung

Strategische Allianz mit Pfizer Inc., USA, zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung von Wirkstoffen im Bereich Immunonkologie

Am 17. November 2014 schloss Merck eine weltweit geltende strategische Allianz mit Pfizer Inc., USA, (Pfizer) über die Zusammenarbeit zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung des Anti-PD-L1-Antikörpers Avelumab. Dieser Antikörper befindet sich derzeit in der klinischen Entwicklung in mehreren breit angelegten Studien zur potenziellen Behandlung unterschiedlicher Tumorarten. Der Wirkstoff soll sowohl als Einzelwirkstoff als auch in Kombination mit einer breiten Palette von bereits zugelassenen oder noch in Entwicklung befindlichen Wirkstoffen entwickelt werden. Beide Konzerne werden im Rahmen der strategischen Allianz ihre Ressourcen und ihre Expertise bündeln, um darüber hinaus einen Anti-PD-1-Antikörper von Pfizer zukünftig gemeinsam zu entwickeln und zu vermarkten. Übergeordnete Zielsetzung der strategischen Allianz ist, Entwicklungsrisiken zu teilen und die Präsenz beider Unternehmen im Bereich der Immunonkologie voranzutreiben.

Die Kollaborationsvereinbarung sieht in der Entwicklungsphase eine hälftige Teilung der Entwicklungsaufwendungen vor. In einer möglichen späteren Vermarktungsphase wird Merck den überwiegenden Anteil der Umsatzerlöse aus Verkäufen von Avelumab und Pfizer den überwiegenden Anteil der Umsatzerlöse aus dem Anti-PD-1-Antikörper von Pfizer realisieren, während das Nettoergebnis aus Umsatzerlösen und definierten Aufwandskomponenten jeweils hälftig zwischen Pfizer und Merck geteilt werden wird. Die Durchführung der Kollaborationsvereinbarung erfolgt nicht innerhalb eines eigenständigen Vehikels, das heißt, die der Vereinbarung zuzurechnenden Vermögenswerte und Schulden stehen im Besitz der beiden Vertragspartner.

Pfizer entrichtete an Merck nach Abschluss der Vereinbarung im Jahr 2014 eine Einstandszahlung in Höhe von 850 Mio. US-Dollar (678 Mio. €) in bar und hat sich verpflichtet, bei Erreichen definierter Entwicklungs- und Vermarktungsmeilensteine weitere Zahlungen von bis zu 2 Mrd. US-Dollar an Merck zu entrichten. Auf Basis der Kollaborationsvereinbarung erhielt Merck zudem das Recht, für mehrere Jahre Xalkori® (Crizotinib) gemeinsam mit Pfizer zu vermarkten. Hierbei handelt es sich um einen Inhibitor der anaplastischen Lymphom-Kinase (ALK), der für die Behandlung von metastasiertem nicht kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) bei Patienten mit ALK-positiven Tumoren zugelassen ist. In den USA und der EU darf Xalkori® außerdem zur Behandlung von metastasiertem ROS1-positivem NSCLC eingesetzt werden. Merck erhält von Pfizer während der gemeinsamen Vermarktung von Xalkori® Ergebnisbeteiligungen, die als Teil der Umsatzerlöse ausgewiesen werden. Diese beliefen sich im Berichtsjahr auf 64 Mio. € (Vorjahr: 8 Mio. €). Das Recht wurde zum Zeitpunkt des Entstehens durch einen unabhängigen externen Gutachter unter Anwendung der Residualwertmethode zum beizulegenden Zeitwert bewertet, aktiviert und wird über die Laufzeit des Vertrags abgeschrieben. Der Restbuchwert dieses Vermögenswerts zum 31. Dezember 2016 belief sich auf 153 Mio. € (Vorjahr: 262 Mio. €). Hinsichtlich der im Berichtsjahr 2016 erfolgten Wertminderung des immateriellen Vermögenswerts in Höhe von 71 Mio. € wird auf Anmerkung (6) „Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten“ verwiesen.

Zum Zeitpunkt des Abschlusses der Kollaborationsvereinbarung wurden sowohl die erhaltene Einstandszahlung als auch der Gegenwert des Rechts zur gemeinsamen Vermarktung von Xalkori® bilanziell als abgegrenzte Erlöse unter den „übrigen Verbindlichkeiten“ erfasst. Beide Beträge werden über den erwarteten Zeitraum der durch Merck in der Entwicklungsphase zu erfüllenden Leistungsverpflichtungen ertragswirksam realisiert und in den „sonstigen betrieblichen Erträgen“ ausgewiesen. Hinsichtlich der hiermit verbundenen Ermessensausübungen und Schätzungsunsicherheiten wird auf Anmerkung (6) „Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten“ verwiesen.

Vereinbarung mit Bristol-Myers Squibb Company, USA, über die gemeinsame Vermarktung von Glucophage® in China

Im März 2013 hatte Merck eine Vereinbarung mit Bristol-Myers Squibb Company, USA, (BMS) über die gemeinsame Vermarktung des Antidiabetikums Glucophage® (Wirkstoff: Metformin-Hydrochlorid) zur Behandlung von Typ-II-Diabetes in China abgeschlossen. Im Geschäftsjahr 2016 vereinnahmte Merck aus der gemeinsamen Vermarktung Provisionserlöse in Höhe von 104 Mio. € (Vorjahr: 84 Mio. €). An Stelle von Provisionserlösen wird Merck ab dem Jahr 2017 Umsatzerlöse aus dem Verkauf von Glucophage® in China vereinnahmen und im Gegenzug Lizenzzahlungen an BMS entrichten.

Vereinbarung mit Intrexon Corporation, USA, über die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung von CAR-T-Krebstherapien

Merck und die Intrexon Corporation, USA, haben im März 2015 eine strategische Kooperations- und Lizenzvereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung von T-Zell-Krebstherapien auf Basis von chimären Antigenrezeptoren (CAR-T) abgeschlossen. Im Rahmen der Vereinbarung erhielt Merck exklusiven Zugang zu den Technologien von Intrexon zur Erzeugung von T-Zellen mit optimierter und induzierbarer Genexprimierung. Intrexon wird bis zur Beantragung der Genehmigung auf Prüfung eines neuen Arzneimittels für jegliche Plattform- und Produktentwicklungen verantwortlich sein. Merck wird die Tumorziele auswählen, für deren Behandlung die CAR-T-Produkte entwickelt werden sollen, und außerdem federführend die Zulassungsbeantragung und vorgeschaltete Interaktionen mit den Behörden sowie klinische Entwicklungs- und Vermarktungsaktivitäten übernehmen. Intrexon erhielt eine Einstandszahlung in Höhe von 115 Mio. US-Dollar. Diese wurde als Teil der noch nicht nutzungsbereiten immateriellen Vermögenswerte angesetzt (Buchwert zum 31. Dezember 2016: 104 Mio. € / Vorjahr: 104 Mio. €). Darüber hinaus hat Intrexon für die ersten zwei von Merck ausgewählten Tumorziele sowohl Anspruch auf Erstattung von Forschungsaufwendungen als auch auf potenzielle Meilensteinzahlungen in Höhe von bis zu 826 Mio. US-Dollar für definierte Entwicklungs-, Zulassungs- und Vermarktungsziele sowie gestaffelte Lizenzgebühren auf Produktumsätze. Intrexon hat darüber hinaus Anspruch auf weitere Zahlungen bei Erreichung von bestimmten Meilensteinen in der Technologieentwicklung.

(6) Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten

Die Aufstellung des Konzernabschlusses erfordert es, dass durch Merck in gewissem Umfang Ermessensentscheidungen und Annahmen getroffen sowie Schätzungen vorgenommen werden. Die mit den potenziell größten Auswirkungen auf den vorliegenden Konzernabschluss verbundenen Ermessensentscheidungen, zukunftsbezogenen Annahmen und Quellen von Schätzungsunsicherheiten sind im Folgenden dargestellt.

Ansatz und Bewertung von Vermögenswerten, Schulden und Eventualverbindlichkeiten, die im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen erworben wurden

Der Ansatz und die Bewertung von Vermögenswerten, Schulden und Eventualverbindlichkeiten zum beizulegenden Zeitwert im Rahmen von Kaufpreisallokationen sind mit Schätzungen verbunden. Dabei wird in der Regel auf die Expertise externer Bewertungsgutachter zurückgegriffen. Die beizulegenden Zeitwerte der im Rahmen der Kaufpreisallokation der Sigma-Aldrich Corporation angesetzten Vermögenswerte und Schulden, eine Sensitivitätsanalyse zu den erworbenen Kundenlisten und Markenrechten sowie weitere Angaben zu dieser im Vorjahr vollzogenen Akquisition finden sich in Anmerkung (4) „Akquisitionen sowie zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen“.

Erlösminderungen

Merck gewährt seinen Kunden verschiedene Arten von Rückvergütungen und Preisnachlässen. Daneben werden erwartete Retouren, staatliche Zwangsabgaben sowie Rabatte aus Gesundheitsplänen und Gesundheitsprogrammen erlösmindernd erfasst.

Der bedeutendste Teil dieser Erlösminderungen entfällt auf den Unternehmensbereich Healthcare. Die wesentlichsten Erlösminderungen in diesem Unternehmensbereich betreffen staatliche Rabattprogramme in Nordamerika.

Soweit nicht bereits von erhaltenen Zahlungen zum Abzug gebracht, wird die Höhe der Erlösminderungen durch Merck auf Basis aktueller Erfahrungswerte ermittelt und als Verbindlichkeit erfasst (Buchwert zum 31. Dezember 2016: 443 Mio. € / Vorjahr: 421 Mio. €). Die Erlösminderungen verringern die Bruttoumsatzerlöse. Anpassungen der Verbindlichkeiten können in späteren Perioden zu Erhöhungen oder Verminderungen der Umsatzerlöse führen.

Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte und noch nicht nutzungsbereiten immateriellen Vermögenswerte

Mindestens einmal jährlich sowie gegebenenfalls anlassbezogen werden die im Konzernabschluss ausgewiesenen Geschäfts- oder Firmenwerte (Buchwert zum 31. Dezember 2016: 15.064 Mio. € / Vorjahr: 14.492 Mio. €) und noch nicht nutzungsbereiten immateriellen Vermögenswerte (Buchwert zum 31. Dezember 2016: 181 Mio. € / Vorjahr: 184 Mio. €) auf vorliegende Wertminderungen getestet.

Die Buchwerte der Geschäfts- oder Firmenwerte unterteilten sich wie nachfolgend dargestellt auf die zahlungsmittelgenerierenden Einheiten beziehungsweise Gruppen zahlungsmittelgenerierender Einheiten, auf deren Ebene die jeweiligen Wertminderungstests erfolgten:

29.5 KB EXCEL
  Geschäfts- oher Firmenwerte
in Mio. € 31.12.2016 31.12.2015
Biopharma 1.560 1.580
Consumer Health 251 243
Life Science 1 11.801 11.272
Performance Materials 1 1.452 1.397
Summe 15.064 14.492
1
Vorjahreszahlen wurden angepasst, siehe Anmerkung „Akquisitionen sowie zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen“.

Die identifizierten zahlungsmittelgenerierenden Einheiten beziehungsweise Gruppen zahlungsmittelgenerierender Einheiten stellen die unterste Ebene dar, auf der Geschäfts- oder Firmenwerte durch die Unternehmensleitung überwacht werden.

Wertminderungen von Geschäfts- oder Firmenwerten ergaben sich wie im Vorjahr nicht. Aufgrund der Beendigung von Entwicklungsprojekten im Unternehmensbereich Healthcare wurden im Berichtszeitraum Wertminderungen der noch nicht nutzungsbereiten immateriellen Vermögenswerte in Höhe von 12 Mio. € vorgenommen (Vorjahr: 109 Mio. €).

Bei der Durchführung der Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte kamen folgende Parameter zur Anwendung:

24 KB EXCEL
   
Bewertungsgrundlage Nutzungswert
Ebene der Wertminderungstests Biopharma (einschließlich Allergopharma und Biosimilars 1)
Consumer Health
Life Science
Performance Materials
Planungsgrundlage Letzte von der Geschäftsleitung genehmigte Mittelfristplanung, die auch für interne Zwecke verwendet wird
Detailplanungszeitraum 4 Jahre
Wesentliche Annahmen Netto-Cash-Flows
Langfristige Wachstumsrate nach dem Detailplanungszeitraum
Diskontierungsfaktor nach Steuern (gewichtete Kapitalkosten – WACC)
Bestimmung der Werte der
wesentlichen Annahmen
Netto-Cash-Flows
  • Umsatzwachstum
    Auf Basis interner Planungen unter Berücksichtigung von internen und externen Marktdaten und -einschätzungen, beispielsweise über Marktanteile, und unter Vernachlässigung von Zulassungen neuer Wirkstoffe aus der Entwicklungspipeline und sonstiger Erweiterungsinvestitionen
  • Ergebnismargen
    Auf Basis von Vergangenheitserfahrungen, angepasst um erwartete Veränderungen
Langfristige Wachstumsrate nach dem Detailplanungszeitraum
Auf Basis von langfristigen Inflationserwartungen und dem erwarteten langfristigen Branchenwachstum
Diskontierungsfaktor nach Steuern (gewichtete Kapitalkosten – WACC)
  • Eigenkapitalkosten
    Risikoloser Zinssatz: Abgeleitet aus der Rendite langfristiger Staatsanleihen
    Betafaktor: Abgeleitet aus der jeweiligen Peergroupb
    Marktrisikoprämie: Innerhalb der vom Fachausschuss für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) des Instituts der Wirtschaftsprüfer e. V. (IDW) empfohlenen Bandbreite
  • Fremdkapitalkosten und Kapitalstruktur Abgeleitet aus der jeweiligen Peergroup
1
Im Zeitpunkt der Durchführung des Wertminderungstests war Biosimilars noch nicht als Veräußerungsgruppe ausgewiesen.

Die bei der Durchführung der Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte verwendeten langfristigen Wachstumsraten und gewichteten Kapitalkosten (WACC) stellten sich wie folgt dar:

30 KB EXCEL
  Langfristige Wachstumsrate Kapitalkosten nach Steuern Kapitalkosten vor Steuern
  2016 2015 2016 2015 2016 2015
Biopharma 0,00 % 0,00 % 6,1 % 6,2 % 8,1 % 8,0 %
Consumer Health 2,00 % 2,00 % 5,9 % 6,2 % 7,2 % 7,6 %
Life Science 1 1,75 % 1,75 % 6,1 % 6,1 % 7,5 % 7,5 %
Performance Materials 1 0,50 % 0,50 % 6,1 % 6,6 % 7,9 % 8,6 %
1
Die Angaben für das Jahr 2015 beziehen sich auf den Wertminderungstest zum 31. Oktober 2015, der vor der Akquisition der Sigma-Aldrich Corporation, USA, durchgeführt wurde.

Zur Diskontierung der Netto-Cash-Flows wurden Kapitalkosten nach Steuern zugrunde gelegt, aus denen die zuvor dargestellten Kapitalkosten vor Steuern iterativ abgeleitet wurden. Sämtliche der vorgenannten Annahmen sind aufgrund der ihnen innewohnenden Unsicherheit als Quelle von Schätzungsunsicherheiten anzusehen.

Der erzielbare Betrag lag bei allen durchgeführten Wertminderungstests um mehr als 10 % über dem Buchwert der jeweiligen zahlungsmittelgenerierenden Einheit beziehungsweise Gruppe von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten. Ungeachtet dessen wurden die verwendeten Planungsdaten gegen extern verfügbare Prognosen verplausibilisiert und die ermittelten erzielbaren Beträge mit Multiplikatorbewertungen auf Basis von Peergroup-Informationen validiert. Im Rahmen der Wertminderungstests wurden zudem Sensitivitätsanalysen der wesentlichen Annahmen vorgenommen. Im Ergebnis hätte keine von der Unternehmensleitung für möglich gehaltene Änderung einer wesentlichen Annahme zu einer Wertminderung geführt. In der nachfolgenden Tabelle ist dargestellt, in welchem Umfang die wesentlichen Annahmen hätten verändert werden müssen, bis es im Rahmen der Wertminderungstests zu einer Wertminderung gekommen wäre:

30 KB EXCEL
  Verminderung langfristige Wachstumsrate Erhöhung Kapitalkosten nach Steuern Verminderung Netto-Cash-Flows
  2016 2015 2016 2015 2016 2015
  in Prozentpunkten in Prozentpunkten in %
Biopharma > 2,0 > 2,0 > 2,0 > 2,0 > 5 % > 5 %
Consumer Health > 2,0 > 2,0 > 2,0 > 2,0 > 5 % > 5 %
Life Science 1 > 2,0 > 2,0 > 1,5 > 2,0 > 5 % > 5 %
Performance Materials 1 > 2,0 > 2,0 > 2,0 > 2,0 > 5 % > 5 %
1
Die Angaben für das Jahr 2015 beziehen sich auf den Wertminderungstest zum 31. Oktober 2015, der vor der Akquisition der Sigma-Aldrich Corporation, USA, durchgeführt wurde.

Bestimmung der Abschreibungshöhe immaterieller Vermögenswerte mit bestimmter Nutzungsdauer

Außer über Geschäfts- oder Firmenwerte und noch nicht nutzungsbereite immaterielle Vermögenswerte verfügt Merck in signifikantem Umfang über immaterielle Vermögenswerte mit bestimmter Nutzungsdauer (Buchwert zum 31. Dezember 2016: 9.556 Mio. € / Vorjahr: 10.636 Mio. €). Bei der Ermittlung der angemessenen Abschreibungshöhe dieser immateriellen Vermögenswerte sind wesentliche Annahmen und Schätzungen erforderlich. Dies betrifft im Besonderen die Bestimmung der zugrunde zu legenden Restnutzungsdauer, die durch Merck regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst wird. Merck berücksichtigt bei diesen Schätzungen unter anderem die für den jeweiligen Vermögenswert typischen Produktlebenszyklen sowie öffentlich verfügbare Informationen über die geschätzte Nutzungsdauer von ähnlichen Vermögenswerten.

Sofern die Abschreibungen der immateriellen Vermögenswerte aus „Kundenbeziehungen, Marktzulassungen, Patente, Lizenzen und ähnliche Rechte, Markennamen, Warenzeichen und Sonstiges“ – beispielsweise aufgrund verkürzter Restnutzungsdauern – um 10 % höher gewesen wären, hätte dies im Geschäftsjahr 2016 zu einer Verringerung des Ergebnisses vor Steuern um 122 Mio. € geführt (Vorjahr: Verringerung um 95 Mio. €).

Eine Verkürzung der Nutzungsdauer des im Zusammenhang mit dem Produkt Rebif® bilanzierten immateriellen Vermögenswerts um ein Jahr hätte im Geschäftsjahr 2016 zu einer Verringerung des Ergebnisses vor Steuern um 123 Mio. € geführt (Vorjahr: 92 Mio. €). Bei einer Verlängerung der Nutzungsdauer um ein Jahr wäre das Ergebnis vor Steuern um 74 Mio. € höher gewesen (Vorjahr: 61 Mio. €).

Forschungs- und Entwicklungskooperationen sowie Ein- und Auslizenzierungen immaterieller Vermögenswerte

Merck ist regelmäßig Partner in Forschungs- und Entwicklungskooperationen mit Forschungseinrichtungen, Biotechnologie-Unternehmen oder sonstigen Vertragsparteien mit dem Ziel, vermarktungsfähige Produkte zu entwickeln. Merck schließt daneben Einlizenzierungsvereinbarungen über geistiges Eigentum von Vertragsparteien ab. Typisch für diese Formen von Vereinbarungen ist die Entrichtung von Einstandszahlungen („Upfront-Zahlungen“) und von Zahlungen bei Erreichen bestimmter Entwicklungs- und Vermarktungsmeilensteine. Merck hat in diesem Zusammenhang zu beurteilen, inwieweit die geleisteten Einstands- oder Meilensteinzahlungen eine Vergütung für bezogene Dienstleistungen (Forschungs- und Entwicklungsaufwand) darstellen oder ob durch die Zahlung ein aktivierungspflichtiger immaterieller Vermögenswert einlizenziert wird. Diese Einschätzung ist regelmäßig ermessensbehaftet.

Im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungskooperationen oder Auslizenzierungsvereinbarungen vereinnahmt Merck regelmäßig Einstands- und Meilensteinzahlungen. In diesem Zusammenhang darf eine unmittelbare Ertragsvereinnahmung nur erfolgen, sofern Merck sämtliche maßgeblichen Chancen und Risiken eines immateriellen Vermögenswerts auf den Erwerber übertragen hat, Merck nicht an den weiteren Geschäftstätigkeiten beteiligt ist und zudem keine wesentlichen fortwährenden Verpflichtungen bei Merck verbleiben. Sofern diese Kriterien nicht als erfüllt zu betrachten sind, werden die erhaltenen Zahlungen abgegrenzt und über den erwarteten Zeitraum der durch Merck zu erfüllenden Leistungsverpflichtungen ertragswirksam vereinnahmt. Sowohl die Beurteilung der Ertragsrealisierungskriterien als auch die Bestimmung des angemessenen Zeitraums der Ertragsvereinnahmung sind ermessensbehaftet.

Sofern die im Rahmen der im November 2014 vereinbarten strategischen Allianz mit Pfizer Inc., USA, erhaltenen und passivisch abgegrenzten Gegenleistungen über einen um ein Jahr verkürzten Zeitraum ertragswirksam vereinnahmt worden wären, hätte dies im Geschäftsjahr 2016 zu einer Erhöhung der sonstigen betrieblichen Erträge und damit des Ergebnisses vor Steuern um 64 Mio. € geführt (Vorjahr: 48 Mio. €). Eine um ein Jahr verlängerte Vereinnahmung hätte zu einer Verminderung der sonstigen betrieblichen Erträge und des Ergebnisses vor Steuern in Höhe von 38 Mio. € (Vorjahr: 32 Mio. €) geführt.

Identifikation eines Wertminderungsbedarfs nicht finanzieller Vermögenswerte

Ermessensentscheidungen sind bei der Identifikation objektiver Hinweise für Wertminderungen von immateriellen Vermögenswerten sowie von Sachanlagen erforderlich. Die Buchwerte dieser Vermögenswerte beliefen sich zum 31. Dezember 2016 auf 29.219 Mio. € (Vorjahr: 29.430 Mio. €). Bei der Identifikation von Anhaltspunkten für Wertminderungen fließen externe und interne Informationen ein. So kann beispielsweise die Zulassung eines Konkurrenzprodukts im Unternehmensbereich Healthcare oder die Schließung eines Standorts ein Indikator für das Vorliegen einer Wertminderung sein.

Im 2. Quartal 2016 wurde der immaterielle Vermögenswert im Zusammenhang mit dem Co-Kommerzialisierungsrecht von Xalkori® (Crizotinib), einem Medikament zur Behandlung von ALK-positiven Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom, aufgrund von negativen Entwicklungen im Marktumfeld einem Wertminderungstest unterzogen. Dieser Test führte zu einer Wertminderung des immateriellen Vermögenswerts in Höhe von 71 Mio. €, die innerhalb der sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst wurde. Im Rahmen des Wertminderungstests wurde der erzielbare Betrag unter Verwendung eines Diskontierungsfaktors vor Steuern in Höhe von 7,9 % ermittelt. Dieser beinhaltete einen vermögenswertspezifischen Risikozuschlag.

Wertminderungen von finanziellen Vermögenswerten

Merck überprüft an jedem Abschlussstichtag, inwieweit objektive Hinweise auf eingetretene Wertminderungen von finanziellen Vermögenswerten vorliegen, und nimmt bei Bedarf Wertminderungen in dem für erforderlich gehaltenen Umfang vor. Besonders bedeutsam sind in diesem Zusammenhang Wertberichtigungen von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, deren Buchwert sich zum 31. Dezember 2016 auf 2.889 Mio. € (Vorjahr: 2.738 Mio. €) belief.

Maßgebliche Indikatoren im Rahmen der Identifikation wertgeminderter Forderungen und der daran anschließenden Werthaltigkeitsprüfung sind insbesondere Ausfall oder Verzug von Zins- oder Tilgungszahlungen, nachteilige Veränderungen volkswirtschaftlicher Rahmenbedingungen und erhebliche finanzielle Schwierigkeiten eines Schuldners. Diese Einschätzungen sind ermessensbehaftet.

Sonstige Rückstellungen und Eventualverbindlichkeiten

Merck ist als global agierendes Unternehmen für Hochtechnologie-Produkte einer Vielzahl von Risiken aus Rechtsstreitigkeiten ausgesetzt. Dazu gehören insbesondere Risiken aus den Bereichen Produkthaftung, Wettbewerbs- und Kartellrecht, Pharmarecht, Patentrecht, Steuerrecht und Umweltschutz. Merck ist Partei in gerichtlichen Verfahren und behördlichen Ermittlungen, deren Ausgang ungewiss ist. Eine Beschreibung der bedeutendsten zum Bilanzstichtag bestehenden Rechtsfälle findet sich in den Anmerkung (26) „Sonstige Rückstellungen“ und (38) „Eventualverbindlichkeiten“. Die in diesem Zusammenhang gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten betreffen überwiegend die Unternehmensbereiche Healthcare sowie Performance Materials und beliefen sich zum Abschlussstichtag auf 483 Mio. € (Vorjahr: 492 Mio. €).

Merck greift bei der Beurteilung des Vorliegens einer Ansatzpflicht von Rückstellungen und bei der Quantifizierung drohender Ressourcenabflüsse auf Erkenntnisse der Rechtsabteilung sowie eventuell mandatierter Rechtsanwälte zurück. Ungeachtet dessen sind sowohl die Beurteilung der Existenz einer gegenwärtigen Verpflichtung als auch die Einschätzung der Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Ressourcenabflusses in hohem Maße unsicherheitsbehaftet. In gleichem Maße ist auch die Rückstellungsbewertung als wesentliche Quelle von Schätzungsunsicherheit anzusehen.

Merck ist in gewissem Umfang Verpflichtungen zur Durchführung von Umweltschutzmaßnahmen ausgesetzt und wies zum 31. Dezember 2016 Rückstellungen für Umweltschutzmaßnahmen in Höhe von 142 Mio. € aus (Vorjahr: 127 Mio. €). Die zugrunde liegenden Verpflichtungen bestanden überwiegend in Deutschland und Lateinamerika. Rückstellungen wurden im Wesentlichen für Verpflichtungen aus Bodensanierungen und Grundwasserschutz im Zusammenhang mit dem aufgegebenen Pflanzenschutzgeschäft gebildet.

Die Ermittlung des Barwerts des künftigen Erfüllungsbetrags erfordert unter anderem Einschätzungen bezüglich des zukünftigen Erfüllungszeitpunkts, des tatsächlichen Ausmaßes erkannter Kontaminationen, der anzuwendenden Sanierungsmethoden, der damit verbundenen zukünftigen Kosten sowie des Diskontierungsfaktors. Die Bewertung erfolgt regelmäßig unter Hinzuziehung von unabhängigen Sachverständigengutachten. Die Bestimmung des zukünftigen Erfüllungsbetrags der Rückstellungen für Umweltschutzmaßnahmen ist in erheblichem Umfang unsicherheitsbehaftet.

Merck ist im Fall der Einstellung von klinischen Entwicklungsprojekten regelmäßig verpflichtet, für einen gewissen Zeitraum in der Zukunft für unvermeidbare Nachlaufkosten aufzukommen. Die Bewertung dieser Rückstellungen erfordert Schätzungen hinsichtlich des zeitlichen Umfangs und der Höhe der nachlaufenden Kosten.

Neben Rückstellungen unterliegen auch Eventualverbindlichkeiten Schätzungsunsicherheiten und Ermessensspielräumen. So bestehen bei Eventualverbindlichkeiten aus laufenden Rechts- und Steuerstreitigkeiten die gleichen Schätzungsunsicherheiten und Ermessensspielräume wie bei den Rückstellungen aus Rechtsstreitigkeiten. Daher sind Existenz und Höhe des nicht unwahrscheinlichen Ressourcenabflusses genauso mit Schätzungsunsicherheiten behaftet wie der Entstehungszeitpunkt einer möglichen Verpflichtung.

Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

Merck unterhält mehrere leistungsorientierte Pensionspläne, insbesondere in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien. Im Rahmen der Ermittlung des Verpflichtungsbarwerts aus diesen leistungsorientierten Pensionsplänen sind im Wesentlichen Schätzungen des Abzinsungssatzes, künftiger Gehaltssteigerungen sowie künftiger Rentensteigerungen erforderlich.

Der in der Konzernbilanz erfasste Wert für „Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen“ belief sich zum Abschlussstichtag auf 2.313 Mio. € (Vorjahr: 1.836 Mio. €), der Verpflichtungsbarwert der leistungsorientierten Pensionsverpflichtungen betrug zum 31. Dezember 2016 4.698 Mio. € (Vorjahr: 4.153 Mio. €). In der folgenden Übersicht wird aufgezeigt, in welcher Weise der Barwert aller definierten Leistungsverpflichtungen durch Veränderungen bei den maßgeblichen versicherungsmathematischen Annahmen beeinflusst worden wäre.

29.5 KB EXCEL
in Mio. € 31.12. 2016 31.12. 2015
Änderung des Barwerts aller definierten Leistungsverpflichtungen, falls    
der Abzinsungssatz 50 Basispunkte höher wäre – 441 – 373
der Abzinsungssatz 50 Basispunkte niedriger wäre 518 444
die künftige Gehaltssteigerung 50 Basispunkte höher wäre 160 126
die künftige Gehaltssteigerung 50 Basispunkte niedriger wäre – 138 – 112
die künftige Rentensteigerung 50 Basispunkte höher wäre 280 234
die künftige Rentensteigerung 50 Basispunkte niedriger wäre – 209 – 176

Zur Ermittlung der Sensitivitäten wurde grundsätzlich der jeweils betrachtete Parameter bei ansonsten konstant gehaltenen Bewertungsannahmen variiert. Sozialversicherungsgrößen wurden zusammen mit dem Gehaltstrend variiert. Weitere Informationen zu den bestehenden Pensionsverpflichtungen sind in den Anmerkung (25) „Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen“ und im Abschnitt „Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze“ in Anmerkung (63) „Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen“ offengelegt.

Ertragsteuern

Die Ermittlung der bilanziell angesetzten Vermögenswerte und Schulden aus laufenden und latenten Ertragsteuern erfordert umfangreiche Ermessensausübungen, Annahmen und Schätzungen. Die Ertragsteuerverbindlichkeiten beliefen sich zum 31. Dezember 2016 auf 883 Mio. € (Vorjahr: 1.011 Mio. €). Die Buchwerte der aktiven beziehungsweise passiven latenten Steuern betrugen zum Abschlussstichtag 1.013 Mio. € beziehungsweise 2.720 Mio. € (Vorjahr: 1.050 Mio. € beziehungsweise 2.926 Mio. €).

Die angesetzten Ertragsteuerverbindlichkeiten und -rückstellungen basieren zum Teil auf Einschätzungen und Auslegungen von Steuergesetzen und -verordnungen in unterschiedlichen Jurisdiktionen.

In Bezug auf latente Steuerpositionen bestehen Unsicherheitsgrade hinsichtlich des Zeitpunkts, zu dem ein Vermögenswert realisiert beziehungsweise eine Schuld erfüllt wird, und über die Höhe des zu diesem Zeitpunkt gültigen Steuersatzes. Dies betrifft in besonderem Maße passive latente Steuern, die im Rahmen der Akquisitionen der Sigma-Aldrich Corporation, der Millipore Corporation, der Serono SA sowie der AZ Electronic Materials S.A. angesetzt wurden. Der Ansatz aktiver latenter Steuern auf Verlustvorträge erfordert eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit der zukünftigen Verwertbarkeit von Verlustvorträgen. Einflussfaktoren, die im Rahmen dieser Einschätzung Berücksichtigung finden, sind die Ergebnishistorie, die Ergebnisplanung sowie eine eventuell existierende Steuerplanungsstrategie des jeweiligen Konzernunternehmens.

Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte, Veräußerungsgruppen und aufgegebene Geschäftsbereiche

Die Einschätzung, ab wann ein langfristiger Vermögenswert, eine Veräußerungsgruppe oder ein aufgegebener Geschäftsbereich die Voraussetzungen für eine Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ erfüllt, ist in hohem Maße ermessensbehaftet. Selbst im Fall einer vorliegenden Managemententscheidung zur Prüfung einer Veräußerung ist eine unsicherheitsbehaftete Einschätzung zu treffen, inwieweit eine entsprechende Veräußerung innerhalb eines Jahres höchstwahrscheinlich stattfinden wird oder nicht.

Entkonsolidierung der venezolanischen Tochterunternehmen

Der Merck-Konzern importierte in der Vergangenheit Produkte in Venezuela und vertrieb diese über Tochtergesellschaften vor Ort. Aufgrund des nahezu vollständigen Ausbleibens von Dividendenzahlungen und Zahlungen für konzerninterne Warenlieferungen gelangte die Unternehmensleitung zu der Einschätzung, dass eine Möglichkeit, variable Rückflüsse aus dem Engagement in den venezolanischen Tochterunternehmen zu erhalten und zu beeinflussen, nicht länger als gegeben anzusehen ist. In Ermangelung einer Beherrschungsmöglichkeit wurden die venezolanischen Tochterunternehmen daher mit Wirkung zum 29. Februar 2016 entkonsolidiert. Diese Einschätzung ist ermessensbehaftet. Die Entwicklung der Situation in Venezuela wird durch Merck weiterhin eng beobachtet.

Merck erzielte in Venezuela bis zur Entkonsolidierung am 29. Februar 2016 im Geschäftsjahr 2016 Umsatzerlöse in Höhe von 1 Mio. €. Im Vorjahr beliefen sich die Umsatzerlöse auf 175 Mio. €, davon entfielen auf das 1. Halbjahr 2015 Umsatzerlöse in Höhe von 168 Mio. € (unter Anwendung des CENCOEX-Wechselkurses) und auf das 2. Halbjahr 2015 7 Mio. € (unter Anwendung des SIMADI-Wechselkurses). Zum 31. Dezember 2015 betrug der Bestand an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten in Venezuela 8 Mio. €. Diese wurden als verfügungsbeschränkt klassifiziert. Der im Geschäftsjahr 2016 erfasste Entkonsolidierungserfolg belief sich auf 50 Mio. € und wurde in den sonstigen betrieblichen Erträgen erfasst. Dieses Ergebnis beinhaltete das zuvor im Konzerneigenkapital erfasste Währungsergebnis der venezolanischen Gesellschaften, das in die Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert wurde.

Weitere Ermessensentscheidungen, Annahmen und Quellen von Schätzungsunsicherheiten

Weitere Ermessensentscheidungen, Annahmen und Schätzungen werden durch Merck in den folgenden Bereichen vorgenommen:

  • Klassifizierung finanzieller Vermögenswerte beziehungsweise finanzieller Verbindlichkeiten,
  • bilanzielle Absicherung von Zahlungsströmen aus erwarteten und mit hoher Wahrscheinlichkeit eintretenden künftigen Transaktionen,
  • Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts von als zur Veräußerung verfügbar kategorisierten Finanzinstrumenten sowie von derivativen Finanzinstrumenten,
  • Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts von bedingten Kaufpreiszahlungen,
  • Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts von Verbindlichkeiten aus anteilsbasierten Vergütungen,
  • Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts der als Planvermögen angesetzten Vermögenswerte.