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Wirtschaftsbericht

Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Den letzten vorliegenden Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge unterlagen die Industrienationen im Jahr 2016 gedämpften Wachstumserwartungen. Dies ist zum einen auf unsichere Folgen im Zusammenhang mit dem zukünftigen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union („Brexit“) zurückzuführen. Zum anderen fiel das Wirtschaftswachstum in den USA im ersten Halbjahr schwächer als erwartet aus. Gemäß letzten IWF-Prognosen stieg das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2016 um 3,1 %, was einem Rückgang um 0,1 Prozentpunkte im Vergleich zu 2015 entspricht. Wie im Vorjahr auch zeigten sich starke regionale Unterschiede. Die Industrienationen verzeichneten einen Rückgang des Wachstums auf 1,6 % (Vorjahr: 2,1 %). Mit 4,2 % (Vorjahr: 4,0 %) erreichten die Schwellen- und Entwicklungsländer seit fünf Jahren erstmals einen Anstieg der Wachstumsraten. Das BIP der USA, der weltweit größten Volkswirtschaft, blieb hinter den Erwartungen zurück und wuchs lediglich um 1,6 % (Vorjahr: 2,6 %). 2015 wurde noch ein Wachstum von 2,8 % für das Jahr 2016 prognostiziert. Gebremst wurde das Wachstum durch einen anhaltenden Investitionsrückgang im Energiesektor und den starken Dollar, der dämpfende Auswirkungen auf exportorientierte Industriesektoren hatte. Ebenso wie die USA verzeichnete auch die Eurozone einen Rückgang des BIP-Wachstums auf 1,7 % (Vorjahr: 2,0 %). Dagegen verbuchten die Schwellenländer Asiens ein Wachstum in Höhe von 6,5 % (Vorjahr: 6,6 %). Wie bereits im Vorjahr waren Indien (7,6 %) und China (6,6 %) die stärksten Wachstumstreiber. Die Industrienationen Südkorea und Taiwan konnten lediglich eine leichte Wachstumssteigerung erzielen, während Japans BIP auf Vorjahresniveau bei 0,5 % stagnierte. Korea verzeichnete ein Wachstum von 2,7 % (Vorjahr: 2,6 %) und Taiwan ein Wachstum von 1,0 % (Vorjahr: 0,6 %).

Das organische Umsatzwachstum bei Merck wurde im Jahr 2016 vorwiegend durch die Regionen Nord- und Lateinamerika geprägt. Während Nordamerika einen Anteil in Höhe von ca. 36 % am konzernweiten organischen Wachstum leistete, trug Lateinamerika mit 27,7 % einen ebenfalls hohen Anteil bei. In Lateinamerika lieferten dabei alle Unternehmensbereiche einen positiven Beitrag zum organischen Umsatzwachstum, wohingegen das Wachstum in Nordamerika von unserem Unternehmensbereich Healthcare getragen wurde. Während 2015 die Region Asien-Pazifik noch rund 56 % zum organischen Wachstum beitragen konnte, erwirtschaftete sie 2016 lediglich einen Anteil von ca. 12 %. Dies ist auf rückläufige Geschäfte im Unternehmensbereich Performance Materials zurückzuführen. So ging der Umsatz bei Performance Materials in der Region Asien-Pazifik organisch um – 6,6 % zurück.

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  Entwicklung
2016 1
Entwicklung
2015
Healthcare
Globaler Pharmamarkt 6,3 % 9,2 %
Markt für Multiple-Sklerose-Therapeutika 2 7,5 % 14,9 %
Markt für Diabetes-Typ-II-Therapeutika 2 11,2 % 11,1 %
Markt für Fertilität 2 12,6 % 10,7 %
Markt für die Behandlung des Kolorektalkarzinoms 3 – 0,5 % – 1,7 %
Markt für rezeptfreie Arzneimittel 4,3 % 4,9 %
     
Life Science
Markt für Laborprodukte 2,5 % 2,9 %
Anteil von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln am weltweiten Pharmamarkt 2 23,3 % 22,3 %
     
Performance Materials
Wachstum der Fläche von Flüssigkristalldisplays 4,6 % 4,8 %
Globaler Absatz von PKW s 2,5 % 1,3 %
Materialien zur Herstellung von Kosmetika 1,8 % 1,5 %
Umsätze der Halbleiterindustrie Umsätze auf
Vorjahresniveau
– 2,3 %
1
Voraussichtliche Entwicklung. Zum Zeitpunkt der Aufstellung dieses Berichts lagen nicht zu allen Industrien finale Entwicklungsdaten für das Jahr 2016 vor.
2
Wachstumsraten basieren auf Marktdaten in lokalen Währungen, umgerechnet zu einem konstanten EUR-Wechselkurs. Den Marktdaten von IMS Health zum Wachstum der Indikationen liegen aktuelle Zahlen inklusive 3. Quartal 2016 zugrunde. Jährliches Wachstum basierend auf den letzten zwölf Monatswerten. Markt für Diabetes-Typ-II ohne USA, da von untergeordneter Bedeutung für Merck.
3
Wachstumsraten basieren auf US-Dollar-Marktdaten. Marktdaten von EvaluatePharma zum Wachstum der Indikationen basieren auf veröffentlichten Unternehmensberichten und unterliegen Wechselkursschwankungen.

Healthcare

Das auf den Pharma-Markt spezialisierte Marktforschungsunternehmen IMS Health hat in seiner neuesten Studie „IMS Market Prognosis 2016 – 2020“ von September 2016 das Wachstum des globalen Pharma-Marktes für das Jahr 2016 mit 6,3 % beziffert. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag das Umsatzwachstum noch bei 9,2 %. Zum Wachstum im Jahr 2016 trugen wie bereits im Jahr 2015 vor allem Lateinamerika und die USA bei. Während das Wachstum in den USA deutlich auf 6,3 % zurückging (Vorjahr: 12,0 %), entwickelte sich der Markt in Lateinamerika mit 13,9 % weiterhin zweistellig (Vorjahr: 16,0 %). Die Region Asien-Pazifik verzeichnete mit 5,7 % einen leichten Rückgang des Wachstums (Vorjahr: 6,6 %). Ein stärkerer Rückgang wurde für die Region Europa mit 4,6 % gemeldet (Vorjahr: 7,0 %).

Relevant für unser Geschäft ist nicht nur das Wachstum des Pharmamarkts insgesamt, sondern insbesondere auch die Marktentwicklung für biotechnologisch produzierte Wirkstoffe. Gemäß IMS Health betrug das Marktvolumen für biotechnologische Pharmazeutika im Jahr 2016 ca. 208 Mrd. €. Dabei stieg der Anteil dieser Produkte am globalen Pharmamarkt in den letzten Jahren kontinuierlich an und betrug im Jahr 2016 bereits 23,3 %. Der Markt in den USA zeigte hierbei mit 31,2 % den größten Anteil weltweit.

Bei der Betrachtung der für uns relevanten Indikationsgebiete zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. So wuchsen die Märkte in den Therapiegebieten Multiple Sklerose mit 7,5 % (Vorjahr: 14,9 %), Diabetes-Typ-II1 mit 11,2 % (Vorjahr: 11,1 %) sowie für Fertilität mit 12,6 % (Vorjahr: 10,7 %). Gegenteilig entwickelte sich dagegen der Markt für Krebsmedikamente zur Behandlung des Kolorektalkarzinoms mit – 0,5 % (Vorjahr: – 1,7 %).

Laut dem Marktforschungsunternehmen Nicholas Hall betrug das Wachstum des globalen Markts für rezeptfreie Arzneimittel im Jahr 2016 4,3 %, ein leichter Rückgang um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Wachstumstreiber war im Jahr 2016 die Region Asien-Pazifik mit 5,5 % (Vorjahr: 5,1 %), wobei Indien mit 7,7 % (Vorjahr: 8,9 %) wie im Vorjahr am stärksten wachsen konnte. Am schwächsten fiel das Wachstum mit jeweils 2,2 % in Westeuropa (Vorjahr: 3,3 %) sowie Japan aus (Vorjahr: 0,2 %).

Life Science

Unser Unternehmensbereich Life Science ist ein führender Zulieferer von Produkten und Dienstleistungen für Forschungsanwendungen und angewandte Laboranwendungen zur Formulierung, Aufbereitung, Herstellung und Qualitätssicherung von Arzneimitteln auf chemischer und biotechnologischer Basis.

Der für Research Solutions und Applied Solutions relevante Markt für Laborprodukte erzielte dem Marktforschungsinstitut Frost & Sullivan zufolge im Jahr 2016 ein Wachstum von 2,5 % (Vorjahr: 2,9 %). Eine Phase erhöhter Unsicherheit im zweiten Halbjahr 2016 dämpfte das Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum wurde hauptsächlich von Kunden aus der biopharmazeutischen Industrie getragen, im Besonderen von aufkommenden biotechnologischen Start-up-Unternehmen. Im Vergleich zu 2015 verringerte sich das Wachstum auf dem europäischen Markt auf 1,5 % (Vorjahr: 1,9 %), was auf einen schwächeren Euro und die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit, beispielsweise im Zusammenhang mit dem unerwarteten Brexit-Votum, zurückzuführen war. Das Wachstum des US-amerikanischen Marktes betrug 2,7 % (Vorjahr: 3,0 %). Der Rückgang der Wachstumsrate war bedingt durch die US-Präsidentschaftswahlen und die Verzögerung bei der Verabschiedung des US-Bundeshaushaltes für 2017. Schwellenländer verzeichneten höhere Wachstumsraten, wenn auch in China eine Verlangsamung sichtbar wurde. Für die nächsten Jahre wird mit leichten Verbesserungen in diesem Markt gerechnet.

Die Nachfrage nach Produkten von Process Solutions ist maßgeblich vom Umsatz biopharmazeutischer Unternehmen mit biologischen Arzneimitteln und von der Intensität ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten abhängig. Wie zuvor erläutert, betrug das Marktvolumen für biotechnologische Pharmazeutika im Jahr 2016 ca. 208 Mrd. €, ein Anteil von 23,3 % am globalen Pharmamarkt. Laut dem Unternehmen EvaluatePharma befinden sich mehr als 8.500 Biologika-Projekte in der präklinischen und klinischen Entwicklung. Bei 28 % (2015: 25 %) dieser Wirkstoffe handelt es sich um monoklonale Antikörper. Biosimilars machen einen kleinen, aber schnell wachsenden Anteil des Pharmamarkts aus. Für das Jahr 2016 wird mit einem Jahresumsatz mit Biosimilars in Höhe von 1,4 Mrd. US-Dollar gerechnet; für 2022 wird ein Anstieg auf 8 Mrd. US-Dollar erwartet.

Performance Materials

Mit seinem Flüssigkristallgeschäft ist Merck der führende Hersteller von Flüssigkristallmischungen für die Displayindustrie. Die dynamischen Wachstumsraten der Displayfläche verringerten sich in den letzten Jahren laut den Erhebungen der Marktforscher von IHS DisplaySearch auf durchschnittlich 5 %. Dieses Wachstum war vorwiegend getragen von der zunehmenden durchschnittlichen Displaygröße, während die Stückzahlen im Verkauf weitgehend stagnierten. Die Displayindustrie stellt weiterhin eine Wachstumsbranche dar, deren führende Bildschirmtechnologie auf Flüssigkristallen basiert. Zunehmende Bedeutung im Bereich der hochwertigen Displays erlangt die OLED-Technologie, bei der Merck ebenfalls zu den führenden Materialzulieferern zählt.

Die Märkte für Automobillacke und Kosmetika sind von erheblicher Bedeutung für das Pigmentgeschäft von Merck. Wie das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach berichtete, stieg der weltweite PKW-Absatz 2015 um 1,3 %. Wachstumstreiber waren wie in den vorherigen Jahren China, Westeuropa sowie die USA, während insbesondere in Brasilien und Russland erhebliche Rückgänge im Automobilabsatz zu verzeichnen waren. 2016 wird mit einer leichten Erholung des globalen Wachstums im Automarkt gerechnet. Der weltweite Verbrauch von Materialien für die Herstellung von Kosmetika stieg laut Euromonitor International um 2 %, wobei Asien mit 4 % die höchste Wachstumsrate aufwies.

Die Halbleiterindustrie ist der wichtigste Absatzmarkt für das Geschäft mit Materialien für integrierte Schaltkreise (IC Materials). Das langfristige Wachstum der Halbleiterindustrie weist eine zyklische Nachfragestruktur auf. Laut Gartner, einem auf die Technologie- und Elektronikmärkte spezialisierten Marktforschungsinstitut, bewegten sich die Umsätze der Branche im Jahr 2016 auf Vorjahresniveau, da das Wachstum bei Smartphone-Anwendungen durch die zurückgehende Nachfrage im PC-Geschäft kompensiert wurde. Der Rückgang im Jahr 2015 von – 2,3 % war ebenfalls auf die Schwäche des PC-Geschäfts zurückzuführen.